Start Siegls Senf Zu viele Pfeifen in der größten Medienorgel des Landes

Zu viele Pfeifen in der größten Medienorgel des Landes

55
0

Der legendäre ORF-Intendant Gerd Bacher hat den Ausdruck von der „größten Medienorgel des Landes“ geprägt. Mehr und mehr erhält man derzeit den Eindruck, an dieser Medienorgel werken zu viele Pfeifen.

Nicht nur Ex-Generaldirektor Roland Weißmann, der eine durchaus ungewöhnliche Kommunikation mit einer Mitarbeiterin zu pflegen schien und auch darüber hinaus diskussionswürdiges Führungsverhalten zeigte, stellte damit in den Raum, dass er womöglich ungeeignet für seinen Job gewesen sein könnte. Seither wurde auch der Werbechef des Hauses wegen nicht näher definierter Compliance-Vorwürfe beurlaubt und zudem wurden seltsame Mails und Notizen eines früheren ORF-Online-Chefs und nunmehrigen Stiftungsrats geleakt. Ein Abteilungsleiter mit 450.000 Euro Jahresverdienst streitet zudem um seine millionenschwere Luxuspension und der gesamte ORF weist im Jahressabschluss Pensionsrückstellungen von 109 Millionen aus.

Dazwischen laufen Intrigen, tummeln sich die Anwälte und der Redakteursrat sprach vier Stiftungsräten, darunter dem Vorsitzenden und seinem Stellvertreter, das Misstrauen aus. Die wöchentliche Soap-Opera produziert der ORF also praktischerweise gleich im eigenen Haus.

Der nunmehr gewährte Blick auf Führungskultur und Umgang mit Zwangsbeiträgen lässt nur einen logischen Schluss zu: Diese Anstalt muss endlich entpolitisiert werden. Statt des in Parteizirkeln organisierten Stiftungsrates mit PR-Managern, die nebenbei ihre eigenen kommerziellen Interessen im Haus verfolgen, muss ein professioneller Aufsichtsrat eingerichtet werden. In diesem sollten journalistische, betriebswirtschaftliche und juristische Kompetenz zählen und nicht mehr das Parteibuch. Immerhin geht es um ein öffentliches Unternehmen mit jährlichen Einnahmen von etwa 1,1 Milliarden Euro.

Der ORF ist krank, politisch verseucht, innen schwer verunsichert und nach außen im Ansehen massiv zerkratzt. Gleichzeitig ist er zu wichtig für die Demokratie im Land, um ihn weiter dahinsiechen zu lassen. Der einzige Ausweg liegt in einem glaubwürdigen Rückzug der Politik und dem Einsetzen von kompetenten und charakterlich unbedenklichen Führungspersönlichkeiten. Das haben sich die Bürger und Gebührenzahler schon lange verdient. +++