Start Editor's Blog Leseprobe aus dem Roman „Der Wald“ – mit Preisfrage

Leseprobe aus dem Roman „Der Wald“ – mit Preisfrage

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Heute einmal etwas anderes – eine kleine Leseprobe aus meinem soeben erschienen Episodenroman „Der Wald“, entnommen der titelgebenden Episode. Wir lernen Ernesto Nones kennen, einen langsam in die Jahre kommenden Segellehrer aus Triest. Und Ancelicus Wallet, einen Gentleman-Gauner, den Problemlöser einer verschwiegenen Gruppe schwerreicher, geheimnisvoller Investoren:

   „Er kommt, zwei, drei Minuten vielleicht“, hatte ihm die Frauenstimme am Mobiltelefon soeben angekündigt, auf Deutsch.

   Wallet hatte nur kurz mit einem einzigen Wort geantwortet, dann hatte er am Bildschirm nach rechts gewischt und das Handy unter seinem Hut verstaut, neben der Neuen Zürcher.

   Danke hatte er gesagt, ebenfalls auf Deutsch.

Und jetzt steuerte Nones geradewegs auf Wallets Tisch zu.

Der erhob sich zu seiner ganzen imposanten Größe, überragte Nones um gut einen Kopf, ein Gigant über einem Mittelmäßigen, hielt ihm seine rechte Hand entgegen, ein Überraschungsangriff, noch bevor Nones mit auch nur mit einem einzigen Wort die Initiative ergreifen konnte.

   „Willkommen, Herr Nones, ich freue mich sehr, dass wir uns kennenlernen, mein Name ist Angelicus Wallet und ich hoffe, es ist für Sie in Ordnung, wenn wir uns auf Deutsch unterhalten.“

   Eine Stimme wie Öl, dachte Ernesto und griff, weil ihm gar nichts anderes übrig blieb, nach der Hand.

   Ihr Druck: ein Zupacken.

   Ernesto war es, als hielte ihn dieser große, elegante Mann mit der schmierenden Stimmlage in seinem sommerlichen Leinenanzug von Anfang an, als sich seine Hand um die eigene schloss, in einem Würgegriff.

   Vorsicht, mahnte Ernestos Unterbewusstsein, doch sein Bewusstsein fühlte sich von zehn Millionen Euro umschmeichelt und unterdrückte die Warnung.

   „Natürlich“, antwortete er, ebenfalls auf Deutsch, und gab sich Mühe, den Druck von Wallets Hand nach Kräften zu erwidern, ein aussichtsloser Versuch.

„Deutsch war die Sprache meiner Mutter“, sagte er und tat sein Möglichstes, den minimalen italienischen Akzent, der sich im Laufe seiner Erwachsenenjahre ins Deutsch der Kindheit eingeschlichen hatte, verschwinden zu lassen.

„Ich weiß“, sagte Wallet, „und sehen Sie, da haben wir beinahe etwas gemeinsam, denn mein Vater sprach ebenfalls Deutsch, wenn auch mit österreichischem Einschlag“.

   „Ein Österreicher, wirklich?“, entgegnete Nones, ehrlich erstaunt, denn das Erscheinungsbild Wallets hätte er, ohne viel nachdenken zu müssen, weit eher in den angloamerikanischen Raum eingeordnet.

   Die Tatsache, dass Wallet über die Herkunft seiner Mutter Bescheid wusste, hätte Ernesto ein Warnsignal sein können.

   Doch eingelullt in die Gedanken an kommende Millionen und von der Aussicht auf Reichtum verdrängte er auch diesen Hinweis.

   Auf dieselbe Weise verbannte er ihn ins Nichts, wie er …

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Und zum Abschluss ein kleines Rätsel: Wer den Fehler in dem Foto findet, soll mir ein Mail schicken (office(at)writingfactory.at). Die ersten drei richtigen Antworten erhalten ein kostenloses Taschenbuch-Exemplar von „Der Wald“ nach Hause zugesandt.

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Klaus Puchleitner
Klaus Puchleitner arbeitete lange Jahre als Wirtschafts- und Innenpolitikjournalist für die Magazine FORMAT, trend und Industrie. Heute lebt er als freier Autor in Graz und Mondsee und schreibt oder schrieb für Medien wie trend, freizeit-Kurier, profil, bestseller, Zeit, Standard oder Horizont über Wirtschaft, Reise, Politik und alle möglichen weiteren Themen, etwa für Beilagen und Supplements. Puchleitner ist auch als Ghostwriter und Sachbuchautor tätig.