Start Siegls Senf Energiekrise wie nie, auch in der Politik

Energiekrise wie nie, auch in der Politik

139
0

Die durch die Blockade der Straße von Hormus ausgelöste Öl- und Gaskrise ist „schwerwiegender als die Krisen von 1973, 1979 und 2022 zusammen“, sagt Fatih Birol, der Chef der Internationalen Energieagentur. Zwar behauptet Österreichs Regierung, es gäbe keine Energie-Engpässe und es seien auch meilenweit keine in Sicht. Doch es ist nicht gänzlich auszuschließen, dass ein neutraler Experte mit globalem Überblick Recht behalten wird und nicht ein Rechtsanwalt mit zusätzlicher Erfahrung als Vizebürgermeister von Wiener Neustadt.

Was wäre also zu tun? Eine ganze Menge. Energiesparen – etwa durch Wärmedämmung – ist immer sinnvoll. Die Gesetzesinitiative mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz muss ergänzt werden, denn die meisten Projekte hängen nicht direkt im behördlichen Genehmigungsprozess fest, sondern aufgrund von wiederholten Einsprüchen bei Gericht. Das dauert mitunter so lange, dass die bewilligte Technik nach Abschluss des Verfahrens bereits veraltet ist.

Beispielsweise warten Windkraftprojekte in Summe von 3400 Megawatt auf Bewilligung, was fast eine Verdopplung der Windenergie-Leistung bedeuten würde. Den Rekord hält jedoch das Wasserkraftwerk im Tiroler Kaunertal, bei dem seit Juli 2012 auf die Genehmigung gewartet wird. Gleiches gilt auch für den zwingend notwendigen Netzausbau in einem Land, bei dem Protest gegen Strommasten bereits zur heimischen Folklore zählt.

Doch selbst, wenn die Netze ausgebaut wären und die möglichen Pumpspeicher alle in Betrieb wären, zeigen uns Winter wie der vergangene mit statistisch jedem zweiten Tag Dunkelflaute und somit kaum Produktion von Sonnen- und Windstrom, wie sehr wir Reservekapazitäten für den Winter brauchen. Dafür gibt es wieder zwei Möglichkeiten: Atomkraftwerke sind allerdings in Österreich so realistisch wie ein landesweiter Verzicht auf Schweinefleisch und Paniertes.

Somit bleibt Gas, das zudem von der energieintensiven Industrie in größeren Mengen benötigt wird. Russland fällt spätestens 2027 endgültig als Lieferant aus; die USA sind als weltweit größter Gasproduzent aber ebenso unsichere Partner wie der Iran und Katar auf den Plätzen 3 und 4.

Dabei werden Datenzentren und KI-Anwendungen den Hunger nach Elektrizität weiter befeuern. Auch in der Zukunft wird daher gelten, dass die ausreichende Verfügbarkeit von günstiger Energie eine Voraussetzung für gesellschaftlichen Wohlstand bilden. Da ist man nicht gerne vom Ausland abhängig.

Doch halt: Es gäbe ausreichend Gas im Weinviertel, um das Land die nächsten 30 Jahre zu versorgen. Und die Montanuni in Leoben hat ein Fracking-Verfahren entwickelt, das ohne schädliche Chemie auskommt. Doch hier schließt sich der österreichische Kreis: „Die Bürgermeister vor Ort wollen es nicht“, so der niederösterreichische Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf.

Da kann man nichts mehr machen und muss eben hoffen, dass Donald Trump verlässlich günstiges US-Fracking-Gas liefert. Österreichische Energie-Politik in der Krise. +++