Die Schüler haben eine Woche Osterferien beinahe hinter sich. Warum eigentlich sieben unterrichtsfreie Tage zu Ostern? Ja, es war schon immer so. Aber nur mehr etwa die Hälfte der österreichischen Bevölkerung ist katholisch oder evangelisch und viele davon sind reine „Taufscheinchristen“. Bereits 22 Prozent haben kein Bekenntnis und der Rest verteilt sich auf andere Religionen, die dann zusätzlich auf Wunsch beim Opfer-, beim Ramadan- oder beim Nevruz-Fest der Schule fernbleiben können. In Wien bilden die muslimischen Kinder mit 41 Prozent ohnehin bereits die relative Mehrheit und nicht einmal jedes sechste Kind gehört mehr der Katholischen Kirche an. Die Dominanz katholisch geprägter Regelungen ist mittlerweile unpassend, ja sogar anmaßend.
Die Schulrealität ist ohnehin zunehmend eine andere, wie jüngst eine Titelgeschichte des „profil“ geschildert hat: Schüler, die vom Ramadan-Fasten so ermattet sind, dass sie dem Unterricht kaum mehr folgen können, und auf Handy-Apps laufen Fasten-Challenges, bei denen Halbmonde und keine Ostereier gesammelt werden können.
Auch wenn es manche gar nicht gerne hören oder lesen: Das Christentum ist in Österreich massiv auf dem Rückzug und wird ersetzt durch Muslime und durch Menschen ohne religiöse Bindung. Selbst unter den Mitgliedern der monotheistischen Religionen glauben laut einer Studie der Uni Wien mehr Menschen an eine „höhere Energie“ oder an die „Kraft des Universums“ als an den Gott der Bibel oder des Korans.
Allerhöchste Zeit für den grundsätzlich säkularen Staat Österreich, sich zu erinnern, dass Religion Privatsache ist. Auch, ja sogar vor allem in der Schule. Das Kopftuch-Verbot unter 14 Jahren ist ein wichtiger Schritt, aber es sollte ebenso nicht toleriert werden, dass manche Kinder im Ramadan den Schwimm-Unterricht verweigern, da „das Wasser ihre Lippen benetzen könnte“.
Eine Gesellschaft, in der jedes Kind das Recht auf bestmögliche Bildung hat, sollte nicht hinnehmen, dass eine zunehmend größer werdende Gruppe jedes Jahr mangels Flüssigkeitsaufnahme 30 Tage lang dem Unterricht kaum mehr folgen kann. Selbst die Islamische Glaubensgemeinschaft sagt, dass Kinder vom Ramadan-Fasten befreit sind. Warum ziehen nicht Vertreter der IGGÖ auf Einladung der Schulen vor Beginn des Ramadans durch die Grundschul-Klassen und erläutern dies?
In einer Lustenauer HAK wurde in den Gängen beim Ramadan-Fastenbrechen gebetet. Auf Fotos sieht man vorne die Burschen und deutlich hinter ihnen die meist verschleierten Mädchen. Eine österreichische Schule darf kein Platz für solche Religionsausübung sein und wer dies glaubwürdig einfordern will, sollte das christliche Kreuz aus den Klassenzimmern gleich mitentfernen. Womit man sich gleichzeitig peinliche Aufhebungen von Gesetzen durch den Verfassungsgerichtshof ersparen könnte. Und der nächste logische Schritt wäre der Ersatz des getrennten Religionsunterrichts durch einen gemeinsamen Unterricht über Ethik und alle Weltreligionen.
Den Schülern und Lehrern sei eine Woche Ferien im Frühjahr gegönnt. Aber die Kreuzigung und angebliche Auferstehung eines Mannes vor etwa 2000 Jahren sollte nicht mehr der Anlass dafür sein, wenn die Mehrheit der Bevölkerung es entweder als Mythos einstuft, an etwas anderes glaubt oder es schlicht als unerheblich ansieht. Und die christlich geprägte Gesellschaft sollte hier mit eigenem Beispiel vorangehen, wenn sie – zurecht – den Rückzug islamischer Regeln und Bräuche aus den Klassenzimmern fordert. +++





