In Urzeiten der Menschheit, bis tief hinein ins finstere Mittelalter, gehörte es zu den Usancen der Kriegsführung, dass Sieger die Anführer von Verlierern töteten oder eben dadurch überhaupt erst zu Siegern wurden. Davon sind die meisten Gesellschaften unserer Welt, die sich Gott sei Dank weiterentwickelt haben, mittlerweile aus gutem Grund abgekommen. Andersdenkende Völker durch Drohungen per Mord an ihren Anführern zu zwingen, klein beizugeben, wie zum Beispiel Amerikaner und Israelis das gerade tun, ist barbarisch, unzivilisiert und mittlerweile auch kriminell.
Denn das Völkerrecht ist da ziemlich eindeutig: Gezielte Tötungen sind in der Regel illegal. Sie verstoßen gegen das Gewaltverbot der UN-Charta, die staatliche Souveränität und das Menschenrecht, vor allem das Recht auf Leben. Die Tötung eines staatlichen Vertreters ohne Kriegserklärung gilt als völkerrechtswidrige Repressalie oder Willkürakt. Politische Führer mit militärischen Funktionen können zwar unter bestimmten Umständen als legitime Ziele gelten, wenn sie direkt an Feindseligkeiten beteiligt sind. Politische Führer ohne militärische Funktion gelten jedoch als Zivilisten und dürfen nicht gezielt angegriffen werden. Gekidnappt auch nicht, wie es dem venezolanischen Bösewicht Nicolas Maduro passiert ist. Die Tötung wäre ein Kriegsverbrechen, auch eine Entführung ist völkerrechtswidrig. Tötung kann unter sehr eng gefassten Bedingungen höchstens als Selbstverteidigung gegen eine unmittelbare Bedrohung gerechtfertigt werden.
Anders gesagt: Die Tötungen iranischer Anführer durch Israel und Trumps USA sind wohl völkerrechtswidrig. Barbarisch, dumm und rücksichtslos sind sie allemal. Sowohl Trump als auch Netanjahu haben außerdem darauf verzichtet, dem Iran formell den Krieg zu erklären, nicht einmal zu dieser minimalen Restanständigkeit waren beide fähig. Drängt sich die Frage auf: Könnte es dem Schurkenstaat Iran nun, da man sich als Angegriffener im Krieg mit den Schurkenstaaten USA und Israel befindet, unter Umständen womöglich völkerrechtlich sogar gestattet sein, als Akt der Selbstverteidigung Donald Trump, Pete Hegseth, Benjamin Netanyahu und den israelischen Verteidigungsminister Israel Katz umzubringen? Antwort: Natürlich nicht. Aber was sagt das alles über den Zustand aus, in den Trump unsere Welt gezwungen hat?
Durch das Agieren des US-Präsidenten, sein erratisches Rundumschlagen, durch seine rücksichtslose Barbarei und seine offensichtliche Ignoranz ist die Welt moralisch Jahrhunderte zurückgeworfen und wieder dort angelangt, von wo wir uns längst wegbewegt hatten. Damit jetzt keine Missverständnisse auftauchen: Selbstverständlich ist der Iran ein brutales, verbrecherisches, extremistisches Regime. Natürlich sind – oder eben: waren – seine ermordeten Anführer das genaue Gegenteil von guten Menschen. Vielleicht mag man sogar der Meinung sein, sie haben den Tod verdient. Doch aus gutem Grund war es bis soeben Common Sense zivilisierter Gesellschaften, dass kein Mensch einen anderen umbringt. Ganz egal, was für einen Charakter der hat, was er getan hat oder auch nicht. Tyrannenmord, eine Praxis längst vergangener Zeiten, scheint nun jedoch wieder fröhliche Urständ zu feiern. Hauptsächlich dank des Agierens des Tyrannen Donald Trump. +++





