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Der große Speikkogel, sanfter Gipfel der Koralm

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Zwischen der grünen Steiermark und dem sonnigen Kärnten liegt die Koralm wie ein sanfter Rücken aus Wiesen, Wäldern und weiten Himmeln. Anders als die sonst schroffen Hochalpengipfel wirkt sie einladend – fast wie gemacht für jene, die das Wandern nicht nur als Sport, sondern als kleines Abenteuer für die Seele begreifen.

Trotzdem geht es hoch hinauf, der höchste Punkt der Koralm, der Große Speikkogel, liegt auf rund 2.140 Metern. Doch der Weg dorthin ist kein brutaler Kraftakt, sondern ein genussvoller Aufstieg. Gut markierte Wege führen durch dichte Wälder, vorbei an plätschernden Bächen und über weite Almflächen, die im Sommer von Blumen durchzogen sind. Schritt für Schritt öffnet sich die Landschaft, bis sich schließlich der Blick hebt und der Horizont größer wird als gedacht. Lediglich wenn man von der steirischen Seite kommt, der „Weinebene“, stellt sich den Wanderern ein kurzer Aufstieg über einen steilen Hang in den Weg. Eine knappe Dreiviertel Stunde lang muss da hinauf, dann hat man es geschafft und wandert noch eine gute Stunde einen Bergkamm entlang in einer großen Kurve de, großen Speck entgegen.

Oben angekommen, entfaltet die Koralm ihre eigentliche Magie. In alle Richtungen breitet sich ein Panorama aus, das kaum Grenzen kennt: Im Norden faulenzen die sanften Berge der Steiermark vor sich hin, die Pack, die Gleinalm, das Gaberl und so weiter. Im Süden winken die klaren Linien Kärntens, dazwischen Täler, Seen und ferne Bergketten, die im Dunst zu verschwimmen scheinen. Bis zu den Karawanen sieht man. Oben auf der Koralm ist ein Ort, an dem der Wind Geschichten erzählt und die Zeit für einen Moment langsamer vergeht.

Unübersehbar thronen auf dem Gipfel die beiden Kuppeln der „Goldhaube“, der Radarstation des österreichischen Bundesheeres: zwei große, weiße Hauben, die wie futuristische Augen in den Himmel ragen. Sie wirken beinahe surreal in dieser natürlichen Umgebung, jedenfalls futuristisch, und doch gehört die Goldhaube längst zum Charakter der Koralm. Während sie lautlos Wetterdaten sammelt, ziehen Wanderer staunend ihre Kreise darunter. Aber sie kann selbstverständlich mehr als Wetter – während des Zerfalls Jugoslawiens diente sie der UNO und der NATO als Auge, das bis tief hinunter an den Balkan feindliche Flugzeuge aufspüren konnte.

Neuerdings ist die Koralm sogar durchlöchert, ein viele Kilometer langer Eisenbahntunnel führt durch sie hindurch, der erst vor wenigen Wochen eröffnet wurde. Er verkürzt die Fahrt zwischen der steirischen Landeshauptstadt Graz und ihrer Kärntner Schwester Klagenfurt auf weniger als eine dreiviertel Stunde. „Koralmbahn“ heißt diese neue Strecke.

Was die Koralm so besonders macht, ist diese Mischung aus Weite und Ruhe. Keine überlaufenen Gipfel, kein hektisches Treiben – stattdessen ein Gefühl von Freiheit, das sich leise einschleicht. Hier oben ist die Welt nicht spektakulär laut, sondern beeindruckend still. Und vielleicht ist genau das ihr größter Zauber: Dass sie nichts erzwingt, sondern alles schenkt – dem, der bereit ist, sich darauf einzulassen. +++