Start Business As Usual Nein zur Abkehr von der Abkehr von der Kernkraft

Nein zur Abkehr von der Abkehr von der Kernkraft

264
0

Österreich war seiner Zeit mit der Entscheidung, auf Kernkraft zu verzichten, weit voraus. Damals, 1978, als wir gegen die Inbetriebnahme des fertig gebauten Atomkraftwerks in Zwentendorf stimmten. Andere Länder folgten mit ihrem Ausstieg aus der Atomenergie, zum Beispiel Deutschland mit langer Verzögerung. Doch jetzt gerät alles ins Wanken, die von den Kriegsherren Wladimir Putin und Donald Trump mit ihren Überfällen auf Ukraine und Iran ausgelösten Energiekrisen lassen eindimensional denkende Politiker schwach werden. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen propagierte bereits die Abkehr von der Abkehr von der Atomkraft, der deutsche Kanzler Friedrich Merz will folgen. Auch in Österreich mehren sich Stimmen, doch nicht so unvernünftig zu sein, billigen Atomstrom weiter abzulehnen.

Dabei ist das Versprechen vom billigen Atomstrom eine Mär. Atomstrom ist nicht billig, sondern teuer. Vergleichsweise kostengünstig wird er – für die Hersteller – erst im Laufe der Zeit, wenn die hohen Kosten für den aufwändigen Bau eines Kernkraftwerkes abgeschrieben sind. Weitergegeben werden die dann günstigeren Strom-Gestehungspreise aber kaum an die Konsumenten, die Hersteller argumentieren das mit Instandhaltungsaufwand. Zur Erklärung: Jedes Atomkraftwerk ist ein Einzelstück voller Sonderanfertigungen, es gibt die Dinger einfach nicht von der Stange. Ist der Strom einmal erzeugt, verursachen Atomkraftwerke immense Folgekosten, weil der radioaktive Müll gelagert werden muss. Das kostet Unsummen – auch, weil es kaum sichere Lagerstätten gibt. Über solche verfügen in Europa nur vier Länder. Die Unfallgefahr bei provisorisch gelagertem Atommüll – provisorisch bedeutet über Jahrzehnte – ist immens hoch. Passiert etwas, gehen die der Gesellschaft entstehenden Kosten durch die Decke. Auch die provisorische Lagerung an sich ist wegen des Risikos extrem teuer. Das alles ist in den Atomstrompreis einzurechnen, nur verschweigen es die Betreiber von Kernkraftwerken gerne. Sichere Lagerstätten befinden sich übrigens Hunderte Meter unter der Erde und sind schwer zu bauen. Darum gibt es auch so wenige, darum ist ihre Errichtung so kostspielig, auch diese Kosten müssen auf den Strompreis aufgerechnet werden. Kurz gesagt: Atomstrom ist die mit Abstand teuerste Möglichkeit, elektrische Energie zu erzeugen – und wegen ihrer keineswegs hundertprozentig beherrschbaren Gefahren wohl auch die dümmste.

Jetzt auf Atomstrom zu setzen, nur weil die Energiepreise steigen, ist unintelligent. Das wahre Problem ist neben den Kriegen, die Putin und Trump angezettelt haben, ein ganz anderes. Da ist einerseits die unsinnige Merit Order der EU. Vereinfacht besagt sie, dass der Strompreis sich auf jeden Fall nach der teuersten Variante der Erzeugung zu richten hat. Anders gesagt: Auch wenn in Österreich Strom durch Wasser-, Wind- und Sonnenkraft hauptsächlich nachhaltig und günstig erzeugt wird, muss er trotzdem das kosten, was seine Herstellung in teuren, umweltschädlichen Gas- und Kohlekraftwerken kosten würde. Österreich muss sich von diesem Prinzip verabschieden – und sofort würde Energie deutlich billiger. Das zweite Problem sind die Landesenergieversorger, die kostengünstig Strom produzieren und ihn teuer verkaufen. Sie verdienen sich jetzt in der Energiekrise eine goldene Nase – man nennt es Übergewinne. Von der Politik wird das trotz aller Lippenbekenntnisse toleriert, weil die Bundesländer meist an den Landesenergieversorgern beteiligt sind und ihnen deren Gewinnausschüttungen Geld in die leeren Kassen spülen. Kosmetische und schlecht wirkende Alibi-Maßnahmen wie Strompreisbremsen zahlt sich der Bürger letztendlich selbst.

An den Kriegen Trumps und Putins können weder die große EU noch das kleine Österreich viel ändern. Den einfachen Weg zu gehen und wieder auf Kernkraft zu setzen, ist jedoch falsch. Richtig wäre es, die Merit Order sofort außer Kraft zu setzen und den Übergewinnen von Energieerzeugern – das gilt auch für die Mineralöl-Giganten, Stichwort Spritpreise – einen wirkungsvollen Riegel vorzuschieben. Notfalls durch Markteingriffe in Form strenger Preisobergrenzen. Dieser Notfall ist längst gegeben. Und natürlich muss Österreich seinen klugen Weg weitergehen, Strom aus Wasser- und Windkraft sowie aus Solarenergie zu gewinnen. Für die produktionsarmen Jahreszeiten gibt es genug innovative Lösungen, die in der Summe weit billiger sind als die Errichtung von Kernkraftwerken. Energiesparen ist darüber hinaus ohnehin ein Gebot der Verantwortung für die Zukunft unseres Planeten.

Man muss diesen Weg nur gehen wollen. Geld in die Forschung und den Ausbau nachhaltiger Energieproduktionen zu stecken statt in Übergewinne von Energieproduzenten, ist die wirtschaftlichste Art, Geld für Energieproduktion auszugeben. Geld für Atomstrom auszugeben, ist die unwirtschaftlichste. +++