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Die Dobratscher Luft über den Kärntner Seen

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Schon von weitem hebt er sich aus der Landschaft heraus: der Dobratsch. Ein markanter Rücken über Villach, der wirkt, als hätte jemand ein Stück Himmel auf die Erde gelegt. Wer sich ihm nähert, spürt schnell: Das ist ein Ort, dort oben, der Ruhe ausstrahlt und zugleich voller Leben ist.

Der Weg hinauf ist so vielfältig wie der Berg selbst. Ambitionierte Wanderer starten im Tal und folgen gut markierten Wegen durch lichte Wälder, vorbei an Almwiesen, auf denen im Sommer Kühe und manchmal sogar auch Pferde grasen. Wer es gemütlicher mag, nimmt die Villacher Alpenstraße – eine der schönsten Panoramastraßen Österreichs – und gelangt fast bis zum Gipfelbereich. Von dort sind es nur noch kurze Wanderungen zu den schönsten Aussichtspunkten.

Diese Aussichten sind es auch, die den Dobratsch unvergesslich machen. Im Süden schimmert der türkisfarbene Faaker See wie ein kleiner Edelstein, eingerahmt von sanften Hügeln. Im Osten streckt sich der Ossiacher See in Richtung Klagenfurt hinüber, schmal und dunkelgrün schlängelt er sich dahin, mit der Gerlitzen an seinem Nordufer. An klaren Tagen scheint die Welt hier oben grenzenlos zu sein – die Julischen Alpen grüßen aus der Ferne, und der Wind trägt Geschichten aus drei Ländern herauf, aus Slowenien, aus Italien und aus dem restlichen Österreich. Manchmal, wenn der Wind aus dem Süden weht, führt die Dobratscher Luft vielleicht sogar ein paar salzige Aerosole von der gar nicht allzu weit entfernten Adria mit.

Doch der Dobratsch ist mehr als nur ein Aussichtspunkt. Als Naturpark ist er ein Refugium für seltene Tiere: Rauvögel ziehen durch den Himmel und an steinigen Hängen lebt sich seltene, streng geschützte und für mitteleuropäische Verhältnisse ziemlich giftige Hornviper. Doch keine Angst, Begegnungen sind höchst selten – und wenn man doch einmal eine sieht, lässt man sie am besten in Ruhe, dann kann nichts passieren. Die Landschaft wirkt jedenfalls ursprünglich, an machen Stellen fast unberührt, als hätte die Zeit hier ein wenig langsamer getickt.

Vielleicht ist es genau das, was diesen Berg so besonders macht: seine Präsenz. Der Dobratsch steht nicht einfach da – er wacht über die Region. Seine breite Silhouette mit dem nicht mehr in Betrieb befindlichen Sender oben drauf ist im Osten schon aus der Ferne sichtbar und wird für viele zum stillen Begleiter.

Wer einmal oben steht, versteht schnell, warum. Es ist dieser Moment, wenn der Blick schweift, der Atem ruhiger wird und man das Gefühl hat, genau am richtigen Ort zu sein. Ein Ausflug auf den Dobratsch ist keine Flucht aus dem Alltag – es ist eine Rückkehr zur Einfachheit. +++