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Franz Kafka hätte viel Freude an ID Austria

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ID Austria ist nicht immer ein Muster an einfacher Handhabung, um es vorsichtig auszudrücken. Um gerade auch für ältere Menschen, die besonders oft an der App scheitern, den Zugang zur digitalen staatlichen Identität zu ermöglichen, verkündete Digital-Staatsekretär Alexander Pröll stolz die Eröffnung einer „Digital Austria Servicestelle“ in Wien. „Einfach, verständlich und sicher“, wie er ausführte. Allein dieser Satz eines Politikers sollte einen schon misstrauisch machen.

Eine mir gut bekannte Person, die bis noch vor drei Jahren selbst im Bundesrechenzentrum gearbeitet und dort versucht hat, Usability und öffentlichen Dienst auf einen Nenner zu bringen, scheiterte am Anmelden zum bereits bestehenden ID-Austria Account. „Es ist ein unerwarteter Fehler aufgetreten“ verkündete ihr immer kryptisch die Fehlermeldung. Welche Fehler „erwartet“ werden, stand jedoch nicht angeführt.

Also versuchte sie einen Termin bei der neuen Servicestelle zu bekommen. Man hätte es sich denken können: Diesen kann man nur online buchen. Über Google findet man allerdings keine Adresse der Internet-Seite. Also rief diese IT-geschulte Person eine zuständige Service-Hotline an. Das Tonband ersuchte um „einen Augenblick Geduld“, um dann nach zehn Minuten zu verkünden, dass das „Anrufaufkommen“ zu hoch sei, womit das Gespräch beendet wurde.

Es gelang doch noch, über einen Bericht im „Standard“ die Online-Adresse für die Terminbuchung zu finden. Doch siehe da: An allen im Kalender gelisteten Tagen ab 10. Februar mit Terminen im 10-Minuten-Takt kam die Meldung „Nicht verfügbar“. Die Auflösung erfolgte ganz unten: Der Tag, an dem der Anmeldekalender endet, ist der 1. April. Reingefallen!

Kein Kabarettist kann sich ausdenken, was in Österreich Politik und Verwaltung im eleganten Zusammenspiel an Realsatire zuwege bringen. Selbst Franz Kafka würde sich heute inbrünstig für die Inspiration bedanken, die man ihm frei Haus liefert. Und dann gibt es irgendwo einen Staatssekretär, der sich mit Entbürokratisierung beschäftigt. Diese Bundesregierung hat wirklich jede Menge Sinn für Ironie. +++