Start Siegls Senf Die Bildung gerät aus den Fugen

Die Bildung gerät aus den Fugen

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51 Prozent der Schulanfänger in Wien können nicht ausreichend Deutsch, um dem Unterricht zu folgen. Eine betroffene Lehrerin wandte sich an die Medien, da an ihrer Brennpunktschule mit mehreren Hundert Kindern nur mehr drei die Muttersprache Deutsch hätten. Drei Viertel ihrer Klasse würden sich einfach in Arabisch unterhalten, während sie wacker versucht, für ein paar Kinder einen Unterricht aufrecht zu erhalten.

Besonders erschreckend ist die Erhebung, dass fast 60 Prozent dieser „außerordentlichen Schüler“ bereits in Österreich geboren sind, aber die Eltern offensichtlich kaum Interesse hatten, dass ihr Kind die Landessprache erlernt. Man kommt ja in Wien mittlerweile in der eigenen Sprachinsel gut durch und findet ausreichend Lebensmittelgeschäfte, Friseure oder Ärzte, bei denen man kein Wort Deutsch braucht. Und – was man in der Wiener Politik gar nicht so gerne hört – auch Kindergärten, in denen die Betreuerinnen Türkisch oder Arabisch mit den Kindern sprechen.

Als erstes sollte man sich von der realitätsfernen Illusion verabschieden, es brauche keine separate Deutschförderung, sondern Kinder aus anderen Ländern würden Deutsch im Klassenverband automatisch mitlernen. Das funktionierte vielleicht bei einem Verhältnis von 9:1 zugunsten der Einheimischen. Tatsächlich bilden sich nun arabische oder türkische Gruppen, die in ihrer Sprache bleiben. Pädagogen berichten auch vermehrt von Kindern, die gar nicht mehr Deutsch lernen wollen.

Die zweite Behauptung, die gleicht mitentsorgt werden kann, lautet, es brauche nur zusätzliche Mittel für das Bildungssystem. Tatsächlich fehlt es eher am Personal, denn eine pädagogische Ausbildung reicht nicht mehr aus, wenn die Hälfte oder mehr in der Klasse einen nicht mehr verstehen. Und Deutsch als Fremdsprache unterrichten zu können, ist eine eigene Ausbildung und nicht automatischer Teil einer Lehramtstudiums. Dazu kommt, dass sich das Lehrpersonal verständlicherweise überfordert fühlt und sich manche lieber einen anderen Job suchen, als auf eine Gruppe von Kindern einzureden, die einen gar nicht versteht.

Was wäre zu tun? Ganz am Anfang war die Entscheidung der Bundesregierung, den Familiennachzug für Flüchtlinge zu stoppen, völlig richtig und sollte fortgesetzt werden. Dann müssen die bereits im Land Befindlichen besser innerhalb Österreichs aufgeteilt werden, indem endlich die Sozialleistungen bundesweit vereinheitlicht werden und die Residenzpflicht eingeführt wird.

Weiters sollten die Ausbildungskapazitäten für „Deutsch als Fremdsprache“ verstärkt werden. Sinnvoll wären auch verpflichtende Sprachstandserhebungen für Dreijährige mit anschließenden, ebenso verpflichtenden Fördermaßnahmen im Kindergarten. Und ein Subventionsstopp für jene Kindergärten, deren Qualität der Deutschförderung klar unterdurchschnittlich ist und deren Betreuungspersonal selbst nicht ausreichend Deutsch spricht.

„Das Ganze scheint aus den Fugen zu geraten“, schreibt Christian Klar, der Direktor einer Wiener Mittelschule, in seinem Buch „Wie retten wir die Zukunft unserer Kinder?“. Tatsächlich ist die Zukunft unserer Kinder zu wichtig, um „aus den Fugen“ geraten zu dürfen. +++