Nun ist die Katastrophe tatsächlich eingetreten: Die EU ist brutal über Österreich drübergefahren und hat im Ministerrat einfach das Freihandelsabkommen mit Mercosur beschlossen.
Das kann unser Land in der gegenwärtigen Situation ja gar nicht brauchen. Man stelle sich vor: Die Agrarimporte aus Lateinamerika könnten tatsächlich unsere Lebensmittelpreise ein wenig senken. Wo doch ohnehin die Inflation bereits auf 3,8 Prozent eingebrochen ist. Und dann die drohenden Qualitätsprobleme: Es müssen zwar alle importierten Lebensmittel den strengen EU-Standards entsprechen, aber wer will schon argentinische Rindersteaks essen? Da kann man nicht einmal ordentlich Gulasch daraus machen. Gut, dass die möglichen Einfuhren wenigstens maximal bei 2 Prozent der in Europa produzierten Menge liegen dürfen, sonst wäre noch das Undenkbare passiert und manche Lebensmittel wären stärker im Preis gesunken. Das konnte mit diesen Limitierungen gerade noch abgewendet werden.
Aber dafür entstehen neue Probleme im Lebensmittel-Export: Die Lateinamerikaner könnten uns glatt verarbeitete Produkte wegkaufen. Weinproduzenten, Schnapsbrenner oder Käsereien rechnen, künftig einen Teil ihrer Erzeugnisse nach Brasilien oder Argentinien liefern zu müssen. Experten befürchten gar Exportsteigerungen in diese Länder von bis zu 50 Prozent.
Und erst die Industrie, die ja mit einem Anteil von fast einem Viertel an unserem Bruttoinlandsprodukt viel wichtiger ist: 270 Millionen Konsumenten können künftig zollfrei an unsere Waren kommen. Ausgerechnet, wenn unsere Exportwirtschaft ohnehin so boomt. In so einer Situation ist doch jeder zusätzliche Abnehmer wie Gift. Okay, die Unternehmen bekommen künftig leichter Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium oder Seltene Erden. Aber das gleicht das Problem neuer Käufer für die eigenen Produkte doch niemals aus. Wenigstens Donald Trump steht uns mit seinen Zöllen hilfreich zur Seite, damit nicht auch noch die US-Amerikaner an unsere kostbaren Waren wollen.
Und damit Schluss mit der Ironie. Vielleicht muss man manchmal, wenn die eigene Dummheit zu groß ist, zu seinem Glück gezwungen werden. Zumindest einmal besteht noch die Gelegenheit für Österreich, die eigene Dummheit in diesem Thema zu beweisen: Das Mercosur-Abkommen muss noch durch das EU-Parlament. Da kann dann ein letztes Mal Haltung bewahrt und gegen den eigenen Wohlstand abgestimmt werden. Immerhin geht es um die Bauern, die mit einem BIP-Anteil von 0,9 Prozent die restlichen 99,1 Prozent problemlos in Geiselhaft genommen haben. Und bei den kommenden Verhandlungen über freien Handel mit Indien und Indonesien kann Österreich neu beginnen, sich gegen seine eigenen Interessen zu stemmen. +++





