Start Editor's Blog Mafia-Bosse, Matratzen und der Weltkrieg

Mafia-Bosse, Matratzen und der Weltkrieg

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Venezuela, vielleicht demnächst noch Kuba oder Ekuador – und dann im Machtrausch Grönland? Gar nicht so abwegig. Nach derzeitigem Stand der Dinge wäre es für den US-Präsidenten einfach, sich Grönland einzuverleiben. Einen Krieg bräuchte es gar nicht. Es würde reichen, die Truppen dort  aufzustocken (was legal jederzeit möglich wäre), ein paar Protestemärsche zu faken, dann plakativ für Sicherheit zu sorgen und womöglich eine Volksabstimmung zu fälschen, die pro USA ausgeht. Putin hat auf der Krim 2014 im Wesentlichen eine Blaupause geliefert, wie man so etwas erledigt. Die EU, Dänemark, die NATO – alle würden mit verkniffenen Augen zusehen und sich auf Protestnoten beschränken. Das ist unsere neue Weltordnung auf Basis des Rechts des Stärkeren. Trump macht was er will, agiert nicht anders als Putin. NATO und EU starren ungläubig über den Atlantik, lassen sich vor Angst und Staunen einen Affront nach dem anderen gefallen und beschränken sich auf Canossagänge nach Washington ohne Ende, ohne Grund, ohne Sinn und vor allem ohne Ergebnis. Sie glauben immer noch, dem Skurrilo im Weißen Haus mit diplomatischen Mitteln unter Einhaltung politischer Spielregeln begegnen zu können.

Aber  Trump ist eben kein Politiker, sondern im besten Fall ein zorniges Kind, das um sich schlägt, wenn es nicht bekommt, was es haben will. Im schlechtesten Fall ist er ein gefährlicher Soziopath mit schwer narzisstischen Zügen – oder ein schwerer Narzisst mit gefährlichen soziopathischen Zügen. Man kann es sich aussuchen. In Wahrheit ist er jedoch wohl nicht viel mehr als ein intellektuell limitierter, gieriger Gang-Chef, der denkt und handelt wie Mafia-Bosse es tun: Nehmen, was man kriegen kann, nötigenfalls mit Gewalt. Frei nach dem Motto: Es ist nichts Persönliches, es ist nur Geschäft. Und gerade eben ist Trump nun einmal im Begriff, auf die Matratzen zu gehen und es der Welt so richtig zu zeigen.

So weit, so schlecht. Die Absurditäten der US-Demokratie und die in Sachen Bildung oft hinterher hinkende Mehrheit der US-Bürger haben diesen dafür völlig ungeeigneten Mann zu ihrem Präsidenten gemacht, und das ist er eben jetzt. Neben allem anderen Herr über die mächtigste Militärmaschinerie der Welt – und offensichtlich leichtfertig bereit, sie zu seinen Zwecken auch einzusetzen. Ein Clan-Chef im Besitz eines irrwitzigen Gewaltmonopols. Als das muss man ihn sehen und ihm entsprechend begegnen. Nicht mit Diplomatie also, sondern mit Stärke.

Die Welt ist nicht mehr, wie sie vor einem Jahr noch war. Europa muss aufhören, sich wie das Kaninchen vor der Schlange zu fürchten. Die EU besteht, lässt man die Putin-Freunde außen vor, aus deutlich über 20 demokratisch orientierten Staaten mit enormer gemeinsamer Wirtschaftsmacht. Einige davon mit Armeen, die gemeinschaftlich ausreichend stark sind und sich ausreichend schnell bereit machen ließen, man muss nur wollen. Plus Großbritannien, das statt der USA als Partner in die Bresche springen könnte und mit ein wenig Überzeugungsarbeit vielleicht auch Willens wäre. Es wird Zeit, sich dieser Stärke endlich bewusst zu werden, sie zu leben und innerhalb der NATO auch auszuspielen.

Euroa muss Trump endlich entgegentreten. Warum also in Sachen Grönland nicht das vorderhand noch Undenkbare tun: Frankreich, Großbritannien und Italien beordern in Abstimmung mit Dänemark und Grönland und im Auftrag der EU – nicht der NATO – je eine Flugzeugträger-Kampfgruppe ergänzt um zum Beispiel skandinavische, deutsche und spanische Marineschiffe vor die grönländische Küste. Natürlich als präventiv-friedenserhaltende Schutzmaßnahme, um die riesige Insel vor den von Trump ausgemachten „vielen Schiffen aus Russland und China“ zu sichern. An Land stationiert die EU mit Einverständnis der Grönländer und der Dänen temporär ein paar Tausend Soldaten und Flugabwehrsysteme. Formal, um für den Fall der von Trump befürchteten chinesischen oder russischen Invasion bereit zu stehen und die Grönländer ebenso zu beschützen wie die wenigen US-Soldaten vor Ort. Das wäre eine Demonstration von Stärke, wie sie vielleicht auch der US-Präsident und seine verhaltensauffällige MAGA-Gang verstünden. Macht Trump Anstalten, diese EU-Truppen anzugreifen, könnte er das vermutlich nicht einmal seinen republikanischen Parteifreunden erklären. Eine offene Auseinandersetzung mit der EU und dem US-Kongress kann auch der selbstgefällige Trump sich nicht leisten. Und wenn er stattdessen wieder mit Zöllen um sich wirft? Soll er, dann kann die EU das auch. Alles in allem und mittelfristig ist die US-Wirtschaft verletzlicher als jene der EU. Viel länger als ein Jahr müssten wir Europäer das womöglich gar nicht durchhalten, denn die Midterm Elections würde die republikanische Mehrheit in beiden US-Kammern dann kaum überstehen, Trump bekäme die Rechnung für sein präsidiales Desaster präsentiert. Seine Allmachtsphantasien wären dann sehr schnell bloß noch das Wunschdenken einer lahmen Ente. Den passenden Vornamen hat er ja schon.

Und wenn das aber zu einem Weltkrieg führt? Der kommt sowieso, wenn alles weiter läuft wie bisher. Wenn sich die USA Grönland holen und die NATO zerfällt, ist das Schicksal der Ukraine besiegelt. NATO und EU sind dann mit sich beschäftigt. Im Nahen Osten geht es zwischen Israel und seinen Nachbarn erst richtig los, den Iran eingeschlossen. China wird Taiwan angreifen. Dann attackieren die Russen das Baltikum, vielleicht sogar Finnland oder Polen, das zieht weite Teile Europas mit in den Abgrund. Nord- und Südkorea geraten aneinander. Japan und China werden um ein paar Inseln streiten, die USA mit den Russen in der Karibik um Einfluss auf Kuba. In all dem Chaos beginnt Trump vielleicht sogar wieder, Richtung Kanada zu denken. Dann geht es so richtig rund in der Welt. +++