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Die ganz große Peinlichkeit

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Als selbst die Hartgesottensten unter den TV-Zusehern jede Hoffnung aufgegeben hatten, gab es nach beinahe zwei Stunden überladener Aneinanderreihungen peinlicher Belang- und Geschmacklosigkeiten doch noch eine Auslosung. Die aberwitzige PR-Show mit dem offensichtlichen Endziel der Befriedigung der Geltungssucht Donald Trumps, ein erstaunlicher Beleg für Gianni Infantinos Willfährigkeit gegenüber dem verhaltensoriginellen Mann im Weißen Haus, war abgewickelt – jetzt konnte tatsächlich noch eine dreiviertel Stunde lang der Fußball zu Wort kommen.

Fazit dieser grenzwertigen gestrigen „Draft-Show“ zur Gruppenauslosung der 2026 anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada, die im Wesentlichen nicht viel mehr war als eine TV-Doku der unglaublichen Reise Infantinos in Richtung Anus des US-Präsidenten, fand also doch noch ein gutes, weil fußballerisches Ende. Was bleibt ist Fassungslosigkeit über die Absenz von Scham, über die Hemmungslosigkeit, mit welcher Infantino den Fußball zu einem Spielball politischer Interessen macht und ihn damit in ein Eck manövriert, in dem er keinesfalls bleiben sollte. Infantino, der gestern Abend ein wenig wie Trumps Hofnarr über die TV-Rampe stolzierte, hat mit dieser Inszenierung seiner persönlichen Verherrlichung des US-Präsidenten alle Grenzen überschritten.

Lediglich einen einzigen echten Moment gab es in dieser endlosen Zurschaustellung von Peinlichkeiten – als nämlich Infantino vor laufender Kamera ein Selfie von sich höchstselbst, dem US-Präsidenten und dem kanadischen Premier sowie der mexikanischen Präsidentin machen wollte. Die letzteren Beiden weigerten sich schlicht, allzu nahe an Trump Seite zu rücken, hielten einen aussagekräftigen Sicherheitsabstand zum orangen Mann mit dem Meerschweinchen am Kopf. „Näherrücken, näherrücken“, forderte Infantiono, allein: keine Chance. Auf dem Bild, das man in nächster Zeit wohl irgendwann veröffentlicht sehen wird, klafft nun jedenfalls eine erstaunliche Lücke, die Bände spricht. Mit dem Mann im Weißen Haus wollen die Staatschefs Kanadas und Mexikos offensichtlich lieber nicht Näheres zu tun haben. Wird interessant sein zu sehen, ob und wie das Bild bearbeitet, die Lücke also wegretuschiert sein wird, wenn die Trump-Entourage es veröffentlicht.

Dem Ansehen des Fußballs hat das alles größten Schaden zugefügt. Die Weltmeisterschaft und den dabei zu erspielenden Titel hat diese lächerliche Washingtoner Draft-Show entwertet, noch bevor der Anpfiff zum ersten Spiel erklungen ist. Der unangebrachte Auftritt des Fifa-Chefs hat jedoch deutlich gemacht: Der Tag, an dem Gianni Infantino von der internationalen Fußballbühne verschwindet, wird ein guter Tag für den Fußball sein. Ebenso wie der Tag, an dem Donald Trumps Amtszeit im Weißen Haus endet, ein guter Tag für die Welt sein wird. +++