Zuerst kam die Covid-Pandemie, dann der russische Überfall auf die Ukraine mit seinen Folgen, Israels Kampf gegen den Hamas-Terror, zuletzt Donald Trumps erratischer Zollkrieg gegen alle in der Welt, die nicht die USA sind. Krise also überall. „Disruptive Rahmenbedingungen“ nennt sich das im Business-Schönsprech. In Österreich kam und kommt als Spezifikum noch die Hilflosigkeit der Regierungen hinzu, mit dem Monster Inflation fertig zu werden. Doch jetzt – ein Hoffnungsschimmer: Ökonomen sehen ein Licht am Ende des Tunnels. „Die Industrieproduktion könnte 2026 erstmals seit längerem wieder zulegen“, schreiben etwa Wifo-Forscher in einer aktuellen Studie.
Allerdings: Nach Erholung sieht es in Österreich derzeit kaum aus. Das nominelle BIP dürfte heuer um 0,3 Prozent schrumpfen. Die Exporte sinken stärker als die Importe, die Arbeitslosenquote dürfte auf 7,3 Prozent steigen. Dazu kommen Pleiten ungeahnten Ausmaßes. Die Inflation, die voriges Jahr 2,5 Prozent betragen hatte und die Bevölkerung nach den Horrorjahren 2022 und 2023 wieder durchatmen ließ, wird neuerlich bedrohlich: Bei 4 Prozent lag die Teuerung vergangenen Oktober laut Schnellschätzung der Statistik Austria. Gastronomie, Strom und Nahrungsmittel sind die Preistreiber. „Österreich hat immer noch ein massives Inflationsproblem“, konstatiert Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr. Österreich ist in der EU Schlusslicht, weist also die höchste Geldentwertung aller Staaten auf. Und soeben kam auch noch die Hiobsbotschaft, dass die Gaslieferungen empfindlich teurer werden. Inflationsbekämpfung geht anders, aber die Regierung erweist sich bereits seit Jahren als nicht in der Lage, dem Ungetüm Geldentwertung auf Augenhöhe zu begegnen.
Wie soll sich da die Wirtschaft in Österreich erholen können? Es bräuchte endlich echte und radikale Strukturreformen. An die wagt sich jedoch traditionell keine Regierung heran. Ausufernder Föderalismus, wild wuchernder Förderdschungel, Krake Bürokratie, Pensionszuschüsse in zweistelliger Milliardenhöhe pro Jahr – das sind Stolpersteine, die seit Jahren kein Regierungspolitiker sturzfrei überklettern kann.
Mitten in dieser Tristesse soll jetzt ein Licht der Hoffnung leuchten? Das BIP könnte wieder wachsen, wenn auch nur um 1,2 Prozent, hofft das Wifo. Und die Wiener Börse performt erstaunlich gut. Hat doch der Wiener Aktienindex „ATX Total Return“ mit einem Plus von 33 Prozent seit Jahresbeginn deutlich stärker angezogen als die wichtigsten Börsenbarometer der Welt.
Kommt der Aufschwung jetzt also wirklich, oder kommt er doch nicht? Sogar die Wifo-Ökonomen relativieren: „Selbst die verbesserten Aussichten weisen unserem Land eine Position unter den Ländern mit dem langsamsten Wachstum in der OECD zu“, sagt Wifo-Chef Gabriel Felbermayr: „Wir tragen weiterhin die rote Laterne.“ Hoffentlich stellt sich nicht ausgerechnet diese als jenes fahle Lichtlein am Ende des Tunnels heraus, auf das alle warten. +++





