Die Inflationsrate bleibt weiterhin auf 4,0 Prozent und jeder schiebt die Schuld auf den anderen. Die Supermarktketten auf die Produzenten, die Produzenten auf die Energieversorger, die Energieversorger auf die Politiker und die Politiker wieder auf alle anderen. Einer wird seltsamerweise dabei vergessen: der Konsument selbst.
Warum lässt sich ein mündiger Konsument bei Lebensmitteln einen „Österreich-Aufschlag“ gegenüber Deutschland von durchschnittlich 27 Prozent gefallen? Warum zahlt man für den gleichen Kosmetik-Artikel sogar bis zu 187 Prozent mehr als in Deutschland? Einfache Antwort – weil es reingeht. Die Preise sind in Österreich so hoch, weil wir uns das gefallen lassen.
Mündige Konsumenten würden auf billigere Eigenmarken ausweichen, für die weniger Werbung gemacht wird. Sie würden Preisvergleiche anstellen und öfter zum Diskonter gehen. Bei einer Einspluseins-Aktion von haltbaren Artikeln würden sie das Regal ausräumen und Vorräte anlegen. Wenn sie in Grenznähe wohnen, würden sie vermehrt im Ausland kaufen. Sprich, sie würden sich ökonomisch verhalten und damit Marktmacht ausüben.
Wenn Verkäufer und Produzenten Umsatz verlieren würden, müssten sie reagieren. Schärferer Wettbewerb würde einsetzen. Ein einzelner Konsument ist machtlos, Hunderttausende könnten hingegen viel bewegen. Ja, das ist fallweise unbequem. Allerdings würde es Geld sparen und die Teuerung deutlich bremsen. So funktioniert Marktwirtschaft.
Stattdessen zahlen wir weiterhin – wenn auch vielleicht murrend – 7,50 Euro für einen Großen Braunen im Kaffeehaus statt den Kaffee um den halben Preis in der Filiale der Bäckereikette zu trinken. Wir beziehen weiterhin Strom und Gas vom teuren Landesversorger. Ein Wechsel würde nicht nur jeweils durchschnittlich 20 Euro pro Monat einsparen, sondern auch die teuren öffentlichen Anbieter zwingen, ihre Tarife zu senken, um nicht noch mehr Kunden zu verlieren.
Aber letztlich verhalten wir uns im Supermarkt genauso unvernünftig wie an der Wahlurne. Wir bestrafen jene Politiker oder Parteien, die – notwendigerweise – drei kleine und ineffiziente Krankenhäuser zu einem mit ausreichender Größe zusammenlegen wollen. Ja selbst dann, wenn nur die Nummerntafeln zweier Bezirke vereinheitlicht werden. Stattdessen sollten eigentlich Verwaltungsebenen reduziert werden, Gemeinden fusioniert oder zumindest zu größeren Kooperationseinheiten verbunden werden. Ein Politiker lernt jedoch schnell: Wenn man seinen Job nach der Wahl behalten will, sollte man besser nichts Gravierendes reformieren und möglichst wenig einsparen.
Genauso haben die Lebensmittelproduzenten, die Supermarktketten, die Gastronomen und die Energieversorger gelernt: In Österreich geht sehr viel mehr rein als in anderen Ländern, bevor die Menschen ihr Konsumverhalten ändern. Also kann man sie deutlich besser abzocken. Auch das ist ökonomisches Verhalten. +++





