An hohe Inflationsraten werden wir uns vermutlich gewöhnen müssen. Der Grund liegt diesmal aber nicht am Lebendtiermarkt in Wuhan oder im Kreml, sondern bei unseren Regierungen und dahinterstehend an unserem eigenen Verhalten an der Wahlurne.
„Der kommende Staatsschuldennotstand“ titelte kürzlich der britische „Economist“, eines der international angesehensten Wirtschaftsmedien. Auf 16 Seiten wird ausgeführt, wie die meisten reichen Länder der Welt in die Schuldenkrise taumeln. Die Gründe sind nachvollziehbar: Höhere Zinszahlungen, steigende Militäretats und mehr Geld gegen den Klimawandel. Dazu kommt eine älter werdende Bevölkerung mit höheren Ausgaben für Pensionen, Gesundheit und Pflege, aber immer weniger nachkommenden neuen Arbeitskräften.
Auf durchschnittlich 110 Prozent der Wirtschaftsleistung haben sich die Staatsschulden der reichen Länder wie USA, Japan, Frankreich, Italien oder Großbritannien bereits angehäuft. Österreich schneidet da mit 85 % sogar noch ein wenig besser ab. Doch insgesamt ist es die höchste Verschuldung der reichen Staaten seit den napoleonischen Kriegen.
Die Finanzmärkte werden bereits nervös und bewerten das mittel- und langfristige Ausfallsrisiko von Staatsanleihen dieser Länder höher, was wiederum die Ausgaben für Zinszahlungen weiter nach oben treibt.
Es gibt, wie auch der „Economist“ ausführt, drei Wege mit zu hohen Staatsschulden umzugehen. Erstens die Staatspleite, die sich aber aus nachvollziehbaren Gründen bei Regierungen eher geringer Beliebtheit erfreut. Zweitens: Ein harter Sparkurs, was gerade von europäischen Wählern im Normalfall bei Wahlen abgestraft wird, und somit bei Regierungspolitikern, die im Amt bleiben wollen, auch gemieden wird wie ein Vollbad im nächsten Kanalsystem.
Somit bleibt nur mehr die schleichende Entschuldung durch eine Inflationsrate, die über den Anleihezinsen liegt und auf diesem Weg den realen Wert der Schulden Jahr für Jahr reduziert. Politiker wie Donald Trump oder Nigel Farage im UK üben bereits massiven Druck auf ihre Zentralbanken aus, die Zinsen weiter zu senken. Und auch Finanzminister Marterbauer freut sich vermutlich im stillen Kämmerlein, welche Mehreinnahmen ihm die Inflationsrate alleine über die Mehrwertsteuer verschafft.
Es erwartet uns also eine fortgesetzte Umverteilung von den Sparern zu den Schuldnern. Von jenen, die vorsichtig und verantwortungsbewusst gewirtschaftet haben, zu jenen, die ihr Geld verprassen – wie beispielsweise viele der Regierungen in den reichen Staaten.
Es geht aber auch anders: Estland oder Bulgarien haben Staatsschuldenquoten unter 25 Prozent und dann gibt es noch eine Regierung in Europa, die finanzpolitisch besonders solide agiert hat: Die russische Staatsverschuldung liegt bei 16 Prozent. Apropos Russland: Einer weiteren Prognose des „Economist“ zufolge führen Entwicklungen wie ein Schuldennotstand fast immer zu einem Erstarken der populistischen und autoritären Parteien. Die Zeiten bleiben also interessant. +++





