Start Siegls Senf Strom und Sicherheit: Solidarität auf österreichisch

Strom und Sicherheit: Solidarität auf österreichisch

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Die Sonne wird in den nächsten Wochen und Monaten immer seltener scheinen, die Nächte werden länger. Der Verbrauch an Elektrizität steigt im Winter also an, da die Lichter lange aufgedreht und E-Heizungen in Betrieb sind.

„Wir brauchen eine Energieproduktion, die auch bei Minusgraden und Flaute verlässlich ist“, sagte die finnische Energieministerin Sari Multala kürzlich im Interview mit der „Presse “. Für Finnland ist die Lage klar: 95 Prozent des im Land erzeugten Stroms sind CO2-frei. 55 Prozent kommen von Sonne, Wind und Wasser – den Rest liefern Atomkraftwerke. Ein zusätzliches ist gerade in Planung und die Frage der Atommüll-Lagerung betrachtet die finnische Regierung als gelöst.

Weltweit sind mehr als 100 neue Atom-Reaktoren geplant oder in Bau, darunter auch in neun europäischen Staaten. Selbst Privatunternehmen wie Amazon oder die Facebook-Mutter Meta planen die Errichtung eigener Kernkraftwerke, um ihre neuen KI-Rechenzentren betreiben zu können.

Es gibt eben derzeit nur einen einzigen Weg, CO2-frei Strom zu erzeugen, der dann zur Verfügung steht, wenn man ihn braucht, und nicht dann, wenn das Wetter gerade passt. Zudem zählt die Kernenergie mittlerweile zu den sichersten Produktionsquellen. Die Anzahl der Todesfälle pro Terawattstunde liegt auf ähnlichem Niveau wie bei den Erneuerbaren Energien, bei Wasserkraft ist sie hingegen 40mal so hoch und bei Gaskraftwerken sogar mehr als 80-fach. Feinstaub tötet allerdings leise und dezentral, also nimmt man es weniger wahr.

Die österreichische Lösung in dieser Frage erinnert an die Verteidigungspolitik: Sollen doch die anderen solidarisch mit uns sein. Wir können es allerdings umgekehrt kaum, denn wir müssen in unserer moralischen Selbstüberhöhung an der Neutralität und an der Ablehnung der Kernkraft festhalten. Also importieren wir in windarmen Nächten und im Winter jede Menge osteuropäischen Atomstrom und das ganze Jahr über militärischen Schutz durch die NATO. Für zweiteres zahlen wir nicht einmal, der Atomstrom ist hingegen sehr teuer, denn wir benötigen ihn gerade in jenen Stunden und Tagen, wenn Elektrizität am Strommarkt gerade knapp ist.

Schweden und Finnland gelten als vergleichbare Länder zu Österreich, oft auch als Vorbilder. 30 Prozent des schwedischen und mehr als 40 Prozent des finnischen Stroms kommen aus Kernkraftwerken: Als Folge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine haben beide Staaten ihre Neutralität aufgegeben und sind der NATO beigetreten. In beiden Gesellschaften schreibt man Solidarität hoch, allerdings versteht man sie nicht als Einbahnstraße wie in Österreich. +++