Man kann es nicht oft genug sagen: Österreich verdient 60 Prozent seiner Wirtschaftsleistung im Export seiner Güter und Dienstleistungen. Würden nicht in anderen Teilen der Welt unsere Maschinen, Autoteile oder Ingenieurleistungen gekauft, bräche das Land völlig zusammen.
Gerade eben sind österreichische Waren im zweitwichtigsten Exportmarkt, den USA, um 15 Prozent, manche sogar um 50 Prozent teurer geworden. Und niemand weiß, was Präsident Trump morgen einfallen wird. Gleichzeitig überschwemmt China die Weltmärkte zunehmend auch mit Technologie-Produkten von Solarzellen bis zu E-Autos. Keine guten Zeiten also für ein Land, das ohnehin seit fast drei Jahren in der Rezession steckt.
Doch dann gibt es einen kleinen Lichtblick: Mercosur, die Zollunion von Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay, würde gerne mit der EU freien Handel betreiben. Völlig logisch, dass Österreich da besonders skeptisch an die Sache herangehen muss, oder?
Der Bauernbund-Präsident hat gerade wieder bekräftigt, das Abkommen sei „unfair und unausgewogen“. Tatsächlich könnten sich in Österreich Fleisch- und Futtermittelpreise gar ein wenig verbilligen. Das können wir in dieser Zeit gar nicht brauchen. Jeder Konsument wird das an der Supermarktkassa sofort bestätigen. Zwar gibt es vereinbarte Mengenlimits, ungefähr ein argentinisches Rindersteak pro Österreicher und Jahr, doch wenn etwas „unfair“ ist, braucht man sich nicht mit Details herumschlagen.
Und wenn jemand weiß, wie ein Sektor mit 0,9 % der Wirtschaftsleistung das ganze Land in Geiselhaft nehmen kann, dann die Bauernlobby. Immerhin gibt es einen gültigen Parlamentsbeschluss, dass Österreich gegen den Freihandel mit Mercosur ist. Dabei entspricht allein der Konzernumsatz der Voestalpine fast dem Vierfachen der gesamten Wertschöpfung der Landwirtschaft.
Glücklicherweise erhält die Landwirtschaft noch Unterstützung von Attac über Greenpeace bis zur Kronen Zeitung. Immerhin hat man den Lateinamerikanern noch nicht ausreichend erklärt, was sie mit ihren eigenen Wäldern machen dürfen und was nicht. Wenn auch sonst der Export aus Europa und vor allem aus Österreich heraus leidet, eine Dienstleistung wird immer freizügig verteilt: Der gute Ratschlag, was andere Länder dürfen und was nicht, erstellt auf dem Hochsitz der moralischen Überlegenheit. Das kommt immer gut an. Umgekehrt wären wir doch auch gebührend dankbar, oder? +++





