Fast sollte man dem Mann dankbar sein, denn so deutlich formuliert in Österreich niemand. “European manufacturing in general is dead“, sagte der nunmehrige Mehrheitseigentümer von KTM, der indische Unternehmer Rajiv Bajaj, dem Sender CNBC. Die einzige Stelle, wo in der nächsten Zeit in der Gegend von Mattighofen neue Mitarbeiter gesucht werden, dürfte daher die AMS-Filiale sein.
Man kann es verstehen: Europa hat weltweit die höchsten Arbeitskosten, die höchsten Energiekosten und zum Ausgleich gibt es das globale Maximum an Bürokratie. Zusätzlich sind Europas Beiträge zu den Zukunftstechnologien KI und Gentechnik vor allem moralische Bedenken und mahnende Worte an den Rest der Welt.
Und Österreich schneidet mittlerweile sogar innerhalb Europas besonders schlecht ab. Lagen vor 20 Jahren die heimischen Arbeitskosten wenigstens 10 bis 20 Prozent unter dem deutschen Niveau, sind wir mittlerweile sogar teurer als die deutschen Nachbarn.
Kein Wunder also, wenn die Industrie im Land sukzessive Mitarbeiter abbaut. Dafür arbeiten nun um fünf Prozent mehr Menschen im Staatssektor als noch vor zwei Jahren. Dabei zeigt uns die Arbeitslosenstatistik eigentlich eine geschönte Wahrheit: Würden die Beschäftigten wieder zu ihren Arbeitsgewohnheiten von 2019 zurückkehren – also öfter in Vollzeit arbeiten und mehr Überstunden leisten –, würde sich die Arbeitslosigkeit von 5 auf 10 Prozent verdoppeln. Man muss nicht den Wirtschaftsnobelpreis besitzen, um das Problem zu sehen.
Und was machte die Regierung? Richtig, sie ging in Klausur und kam heraus mit einem Konjunkturpaket in Höhe von einer Mrd. Euro, von dem noch immer nicht klar ist, wieviel dieser Summe nur neu etikettiert wurde. Der Kanzler gab zwei Prozent Inflation und ein Prozent Wirtschaftswachstum als Ziel aus – auch wenn das, wie er anmerkte, nicht so rasch erreichbar sein würde. Ist ja auch wirklich ambitioniert, auf etwas hinzuarbeiten, das vor zehn Jahren noch als Wellental gesehen worden wäre, aus dem man hoffentlich bald wieder herauskommt.
Einen Tag vor der Klausur verkündete die Stadt Wien eine Gebührenerhöhung in Höhe von rund 30 Prozent. 50 Prozent der Wirtschaft sind Psychologie, sagte einmal der legendäre deutsche Bundeskanzler Ludwig Erhard. Diese 50 Prozent sind jetzt einmal den Bach hinunter gegangen und schaffen es wohl auch nicht so schnell wieder stromaufwärts.
Falls jemand einem indischen Unternehmer vielleicht zu wenig Einblick unterstellen möchte noch schnell ein Zitat des österreichischen Industriellen Stefan Zöchling, CEO des Automobilzulieferers Remus, aus der „Presse“: „Die Unternehmer erwarten sich von dieser Regierung gar nichts mehr. Aus Hoffnung wurde Zorn und ist nun Resignation geworden. Nichts an dem, was die Regierung präsentiert hat, ändert etwas an den Problemen in diesem Land.“ Remus, so Zöchling, wachse weiterhin, aber nur mehr an den Standorten in Süditalien, Bosnien, Serbien und Mexiko. Nun werden wir als Standort also bereits von Süditalien abgehängt. Gute Nacht Österreich! +++





