Ich bin seit drei Jahren ASVG-Pensionist. Die Pension sorgt fast für mein ganzes Einkommen, denn vom Bücherschreiben können in Österreich nur sehr wenige Menschen leben. Und als Rentner wünsche ich mir für den Rest der Legislaturperiode Pensionserhöhungen unter der Inflationsrate. Der Staatshaushalt muss saniert werden und ein Viertel der Ausgaben fließt allein in das Pensionssystem. Ich empfände es daher als ungerecht, wenn ich ungeschoren davonkäme.
NEOS-Sozialsprecher Johannes Gasser schlug 0,5 Prozent Abschlag zur Inflationsrate vor. Dies brächte fast 400 Millionen budgetäre Einsparung und wäre für mich eine sinnvolle Höhe. Mehr hat Gasser natürlich nicht gebraucht. Die ÖGB-Seniorensprecherin meinte, dadurch würde man „Hunderttausende Pensionisten direkt in die Altersarmut schicken“. Damit befand sie sich auf einer Höhe mit der FPÖ-Sozialsprecherin, die von einem „beispiellosen Anschlag auf den Lebensabend unserer Senioren“ sprach. Beide Behauptungen sind lächerlich und jenseits aller Fakten.
Ich finde zudem, dass alle Pensionen – auch Mindestpensionen – im gleichen Maße von der Kürzung betroffen sein sollten. Es handelt sich um eine Versicherungsleistung, die sich noch immer mehrheitlich aus Beiträgen finanziert. Dies ist nicht der Raum, um sozialistische Wünsche in Richtung Einheitspension zu erfüllen. Zu oft wurden bereits höhere Pensionen schwächer angehoben als niedrige und damit die eingezahlten Beiträge entwertet. Für Sozialpolitik zugunsten der Ärmsten gibt es Mietbeihilfen, Gebührenbefreiungen oder Direktzuschüsse, aber die Alterspension ist kein taugliches Mittel, um für egalitärere Einkommen zu sorgen.
Ich kann das politische Gerede von den Rentnern, die sich zwischen Essen und Heizen entscheiden müssen, nicht mehr hören. Meine Mutter war so eine „arme“ Mindestpensionistin, Bezieherin einer Ausgleichszulage. Sie hatte in ihrem Leben etwa zwei Jahre Vollzeit und etwas mehr als 30 Jahre halbtags gearbeitet. Dennoch fuhr sie mehrmals pro Jahr auf teure Urlaube und zu ihren Grundnahrungsmitteln zählten Königsgarnelen, Lindor-Kugeln und Winzersekt, denn mein Vater bezog neben einer satten ASVG-Rente auch noch eine hohe Firmenpension.
Ebenso finden sich unter den Beziehern einer geringen Pension viele Menschen, die nur einen Teil ihres Erwerbslebens in Österreich gearbeitet haben, und die daher auch über andere Pensionsleistungen verfügen. Österreicher, die eine längere Zeit im Ausland tätig waren, oder Migranten, die zumindest sieben Jahre in Österreich gearbeitet haben. Schon jetzt wird mehr als jede zehnte Pension ins Ausland überwiesen. Politisch wird aber gerne alles in einen Topf geworfen, wenn man mit der sozialen Kälte gegenüber hungernden und frierenden Pensionisten Stimmung machen will.
Laut Statistik habe ich bei Fortschreibung der steigenden Lebenserwartung noch knapp 20 Jahre Pensionsbezug zu erwarten. Das bedeutet, ich habe die ersten 26 Jahre meines Lebens (fast) nicht gearbeitet, gleiches gilt für die letzten 23 Jahre und das alles soll von 37 Arbeitsjahren finanziert werden. Jeder Mensch, der nur einigermaßen vorurteilsfrei denken kann, erkennt: 49 Jahre lang nicht arbeiten und 37 Jahre arbeiten, das kann sich nicht ausgehen. Für mich wäre es daher unfair gegenüber den nachkommenden Generationen, wenn meine Pension weiter in Höhe der Inflationsrate angehoben würde. Das sind wir unseren Kindern einfach schuldig. +++





