Um 3,1 Grad hat sich in Österreich die mittlere Lufttemperatur seit 1900 erhöht. Hitze, Dürre und Starkregen werden häufiger und heftiger, worunter Landwirtschaft, Bäume und Gesundheit zunehmend leiden. Die jährlichen Schäden machen bereits 2 Mrd. EUR aus und werden bis 2030 werden auf 2,5 bis 5,2 Mrd. steigen. Das alles hat der 800 Seiten umfassende österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel umfassend dokumentiert.
Und trotz dieser fundierten Analyse werden quer durch alle Medien sofort drei Fehlschlüsse gezogen. Erstens: Überall heißt es, Österreich würde mit 3,1 Grad Erwärmung besonders leiden. „Damit ist das Land mehr als doppelt so stark von der Erwärmung betroffen wie der Rest des Planeten“, ist in der „Presse“ zu lesen. Ja, aber das liegt an der simplen Tatsache, dass sich Landmassen schneller erwärmen, aber 71 Prozent der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind. Der Großteil von Europa erwärmt sich etwa gleichschnell wie Österreich; der Klimawandel trifft uns nicht „besonders hart“, wie es von „Heute“ bis zur Universität Innsbruck überall heißt. Nur eine Übersiedlung Österreichs auf kleine ozeanische Inseln würde eine relative Abkühlung bringen.
Fehlschluss Nummer zwei: Die „Kosten des Nichtstuns werden viel höher ausfallen als eine rasche und starke Anpassung und vor allem das Reduzieren der Emissionen“, schreibt der „Standard“ wie viele andere und fordert ein Klimaschutzgesetz und andere heimische Maßnahmen. Ganz so, als würden die heimischen Treibhausgasemissionen eins zu eins die hier anlaufenden Schäden durch die Erderwärmung bestimmen. Nur zur Klarstellung: Die Österreich komplett umspannende Kuppel, mit der man sich sein eigenes Klima machen kann, wurde bis dato noch nicht erfunden, und der heimische Anteil an den globalen Emissionen liegt bei etwa 0,2 Prozent.
Letztlich bleibt die Frage, wie man vorrangig handeln sollte. Alles konzentriert sich hier auf Solaranlagen, Windräder, Gasheizungen, Pendlerpauschale oder Dieselprivileg. Wie man sich jedoch auf die Auswirkungen der in jedem Fall weiter steigenden Temperaturen vorbereiten sollte, interessiert politisch kaum jemanden.
Vor zwei Monaten hat Frankreich 52 Maßnahmen vorgestellt, wie es auf die Klimakrise reagieren wird. Natürlich sollen auch die Treibhausgas-Emissionen weiter gesenkt werden, aber vor allem will man das Land auf die Auswirkungen besser vorbereiten: Wasserleitungen werden abgedichtet und Kanalisationsnetze auf „Sintfluten“ vorbereitet, der Hochwasserschutz wird intensiviert. Sozialwohnungen werden mit Außen-Jalousien ausgestattet, Dächer öffentlicher Gebäude weiß gestrichen und die Fassaden begrünt. Fernkältenetze werden weiter ausgebaut, Landwirte sollen geschult werden, wie sie ihren Anbau verändern können, Straßen und Schienen sollen hitzesicherer werden, um drohende Schäden in der Infrastruktur zu verhindern. Alles Schritte, die auch in Österreich Sinn machen würden, aber darüber spricht hierzulande kaum jemand. +++





