Im Fussball gibt es etwas, das klingt nach Buntheit, Spaß, Spannung und Unterhaltung – bedeutet aber genau das Gegenteil: Es nennt sich „Trainerkarussell“. Trainer werden engagiert und wieder gefeuert, ohne viel nachzudenken, in kurzen Abständen, einfach so. Hire and Fire in seiner schlechtesten Form. Zusätzlich ist die Art und Weise, wie das vor sich geht, meist anstandslos, beschämend, menschlich katastrophal. Klappt es einmal ein paar Spiele nicht mit einem Sieg, ist der Trainer weg. Werden die in der Regel viel zu hoch gesteckten sportlichen Ziele in viel zu kurzer Zeit nicht erreicht, wird er abserviert. Trainer, die vor kurzem noch als ideale Besetzung gelobt wurden, sind plötzlich die völlig falschen Männer am völlig falschen Platz und müssen gehen. Und wenn sie vor der Niederlagenserie eine Siegesserie landen konnten, wie etwa jüngst erst Peter Stöger bei Rapid? Einerlei, weg mit ihnen.
Das ist die bizarre Kurzsichtigkeit, die im Fußball regiert, wo hauptsächlich Hobby-Clubchefs das Sagen haben, die im Zivilleben völlig anderen Berufen nachgehen. Sie machen so gut wie alles verkehrt. Zuerst engagieren sie einen Sportdikretor, der in den meisten Fällen früher einmal ein – mehr oder weniger guter – Fußballer war. Doch der Job eines Sportdirektors verlangt keine fußballerische Brillanz, die ohnehin vergangen ist, sondern strategische Fähigkeiten, Management-Fachwissen, Empathie, theoretisches Sportwissen und -können. Alles Eigenschaften, die sich bei den meisten amtierenden Sportdirektoren mehr oder weniger im Dauerurlaub befinden. Und so agieren die Herren – Frauen kommen praktisch nicht vor – auch. Sie engagieren ihrerseits Spieler, die nicht zur Spielweise des Clubs passen, welche im Übrigen in den wenigsten Fällen einem langfristigen Konzept folgt. Dann engagieren sie Trainer, für die dasselbe gilt und die auch nicht zu den Spielertypen und deren Fähigkeiten passen, und argumentieren floskelhaft immer gleich: Es handle sich um genau den richtigen Mann, der den Club nach vorne bringen werde. Ein paar Wochen später stellt sich dann heraus: doch nicht. Und der Mann, der genau der richtige war, muss gehen. Der Sportdirektor, der diese kuriose Fehlentscheidung zu verantworten hat, darf aber bleiben und weiter fuhrwerken. Das führt zu einem bizarren Schlingerkurs bei den Clubs, zu einem sinnlosen Hire and Fire, Konstanz und Entwicklung erhalten keine Chance und die Performance bleibt auf Dauer unterdurchschnittlich.
Die Sportdirektoren also, die wahren Schuldigen. Einen guten zu finden gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Es gibt nämlich nicht viele davon. Wohl deswegen greifen die Funktionärs-Clubchefs bei ihrer Wahl so oft und so dramatisch daneben. Womöglich liefe es ohne Sportdirektor besser – mit einem Trainer, der die Kader allein verantwortet, nach seinen Vorstellungen zusammenstellt und für die Management-Agenden Mitarbeiter zur Seite gestellt bekommt. Oder aber, man findet ausnahmsweise einmal einen wirklich guten Mann. Beispiel Christoph Freund bei Red Bull Salzburg oder Andreas Schicker bei Sturm Graz. Seit sich beide verabschiedet haben, regieren nach Jahren des Erfolges bei ihren alten Clubs Pleite, Pech und Pannen. Und ihre neuen Vereine befinden sich im Höhenflug.
Die Folge ist das, was wir sehen: Die Trainer-Karusselle drehen sich immer schneller, immer wirrer, immer sinnloser. Denn je öfter ein Verein seinen Trainer feuert und je kurioser diese Entlassungen über die Bühne gehen, desto erfolgloser wird er auf Sicht. Aktuelle Beispiele? Rapid in Österreich, AS Monaco in Frankreich, Wolfsburg in Deutschland, Tottenham in England, und so weiter. Beispiele, wie es mit sorgfältiger Trainersuche und folgender Trainer-Konstanz besser läuft? Chrystal Palace, Manchester City und Arsenal, alle in England. Dort wird womöglich strategischer gedacht als im Rest Europas. Dort gibt es aber auch keine Sportdirektoren im mitteleuropäischen Sinn, sondern Trainer, die deren Agenden mit verantworten. Sie heißen auch nicht „Trainer“, sondern „Manager“. Warum wohl. +++





