Hochsommer – da braucht es einfach ein Gericht aus dem Süden. Das den Duft des Meeres, die herbe Schönheit sonnenverbrannter Landschaften und die Beschwingtheit der Menschen in sich trägt. Was könnte da besser passen als eine spanische Paella.
Es beginnt mit einer Brise Rosmarin, die durchs offene Küchenfenster weht. Ein Sonntag. Drei Freunde kündigen sich an, hungrig nach Geschichten und Essen. Ich verspreche: „Heute gibt’s Paella.“ Sie lachen – denn das letzte Mal, als ich Reishunger versprach, endete es in Risottopampe. Doch diesmal: Ehrensache.
Zuerst der Reis. Bomba, kurz und rund wie der Bauch nach dem dritten Teller. Ich röste ihn trocken in der großen Pfanne – die einzige, die so groß ist, dass sie auch als Satellitenschüssel durchginge. Dann Olivenöl. Golden, dickflüssig, wie ein spanischer Sommer. Knoblauch zischt, Zwiebeln tanzen, Paprika leuchtet in Rot und Gelb. Ein Farbgedicht.
Dann die Tomaten – frisch gerieben. Ja, gerieben. Die Haut bleibt in der Hand wie ein abgelegtes Sommerkleid. Ein Teelöffel geräuchertes Paprikapulver, dann Safran. Eine Prise nur, aber sie färbt alles orange ein, wie es auch ein Sonnenuntergang über Valencia tut.
Brühe dazu. Selbst gemacht, klar, ich bin ja Foodblogger, kein Barbarenkoch. Huhn, Sellerie, Lorbeer – zwei Stunden vorher schon auf dem Herd. Jetzt blubbert die goldene Brühe den Reis weich. Wichtig: Nicht rühren! Paella ist keine Suppe auf Speed. Sie will und benötigt Ruhe und Vertrauen.
Währenddessen: Huhn anbraten. Außen knusprig, innen saftig. Dann Meeresfrüchte: Garnelen, Miesmuscheln, Tintenfisch. Sie kommen spät dazu, so viel zu späte, wie die auch coole Gäste auf einer Party erscheinen. Zuletzt: Erbsen und grüne Bohnen für das Gewissen.
20 Minuten später ist die Kruste am Boden – die Socarrat, heilig wie ein guter Witz nach Mitternacht. Ich serviere direkt aus der Pfanne. Drei Gabeln, drei Lacher, eine Flasche Albariño.
Die Freunde? Begeistert. Die Pfanne? Leer. Mein Versprechen? Gehalten. Und der Reis? Kein Pamp in Sicht. Nur die Erinnerung an einen Sommerabend, der in Safran und Salz gebettet war. +++





