„Durch eine gezielte Entbürokratisierung im Steuerrecht wollen wir die Abwicklung für Unternehmen und Bürgerinnen sowie Bürger vereinfachen“. So steht es im aktuellen Regierungsprogramm.
Die konkrete Umsetzung erleben wir gerade im Warenkorb mit jenen Lebensmitteln, für die in wenigen Tagen die Mehrwertsteuer gesenkt werden soll. Vizekanzler Babler wollte ja die Senkung, bei der sich jeder Haushalt durchschnittlich 7 Euro pro Monat erspart, sozial treffsicher gestalten. Also gibt es nun ein Steuer-Dokument von schlanken 650 Seiten, das jeder lebensmittelverkaufende Betrieb durchsehen und umsetzen muss.
In der Praxis kann das ziemlich schwierig werden. Beispielsweise soll nur Brot mit weniger als 5 Prozent Fettanteil von der Senkung profitieren. Merke: Fettes Brot ist nunmehr nicht nur eine deutsche Hip-Hop-Band, sondern offensichtlich auch eine typische Ernährungsgewohnheit von Superreichen. Wahrscheinlich kommen daher die breiten Schultern.
Da kann künftig die Zahl der am Flesserl verstreuten Mohnkörner die Steuerklasse bestimmen. Das Prinzip des Erbsenzählens muss künftig auch auf Kürbis- und Sonnenblumenkerne angewandt werden. „Wir können künftig entscheiden, ob wir lieber Kunden oder den Finanzminister betrügen“, gibt Bäcker-Innungsmeister Josef Schrott im Gespräch mit dem „Standard“ zu bedenken. Dabei ist alles doch so einfach: Wer beim Bäcker ein Buttersemmerl kauft, zahlt 10 Prozent Steuer – wer Semmel und Butter separat bestellt, nur die 4,9 Prozent. Gleiches gilt für das Schinkenweckerl im Supermarkt.
Zum Ausgleich für so umfangreichen Entlastungen dürfen die Lebensmittelgeschäfte nun ihre Kassensysteme für viele Millionen Euro umprogrammieren. Hoffentlich berücksichtigt auch jeder, dass Roggenmehl nun günstiger wird, Roggen als ganzes Korn hingegen nicht. Oder stolpert nicht bei der Entscheidung, ob Oliven unter Kernobst fallen.
„Wir setzen uns für einen umfassenden Bürokratieabbau ein, um den Wirtschaftsstandort Österreich zu stärken“, heißt es im Regierungsprogramm. Da können wir noch viel erwarten. Zumindest aus der Sicht von Satirikern. +++





