Es war einer dieser Abende, an denen man plötzlich beschließt, Gastgeber zu sein – mit wenig Zeit, leerem Kühlschrank und großem Herzen. Drei Freunde hatte ich eingeladen, nichts versprochen außer: „Es wird warm, würzig und duftet nach Süden.“ Was genau das hieß, wusste ich selbst noch nicht. Bis mein Blick auf eine Dose Tomaten fiel. Shakshuka, flüsterte mein Magen. Und der Magen hat bekanntlich immer Recht.
Ich schnappte mir eine große Pfanne – schwer, gusseisern, wie gemacht für Geschichten. Eine Zwiebel wanderte hinein, fein gewürfelt, und tanzte in Olivenöl, bis sie goldig glänzte. Zwei Knoblauchzehen – zerdrückt, nicht geschnitten, damit sie der Sauce ihre Seele schenken – folgten. Eine rote Paprika, in Streifen geschnitten, sorgte für Farbe und Biss. Dann kamen die Gewürze, meine Lieblinge: Kreuzkümmel, Paprikapulver, ein Hauch Chili. Ich nenne sie meine Wüstenwinde, weil sie jeden noch so grauen Tag in einen Sonnenuntergang verwandeln.
Als die Küche nach Marrakesch duftete, goss ich die Tomaten aus der Dose dazu. Ein Schuss Wasser, eine Prise Salz, ein wenig schwarzer Pfeffer. Die Sauce durfte zehn Minuten köcheln – Zeit, um das Chaos im Wohnzimmer durch halbwegs kontrolliertes Kerzenlicht zu kaschieren.
Zurück an der Pfanne machte ich mit einem Löffel vier kleine Krater in die blubbernde Sauce. Vorsichtig, fast ehrfürchtig, ließ ich je ein Ei hineingleiten. Deckel drauf. Keine Hektik. Shakshuka braucht Hingabe, aber keinen Stress.
Als die Eiweiße gestockt und die Eigelb noch weich waren, hob ich den Deckel. Goldene Inseln in roter Lava. Ich streute grob gehackte Petersilie darüber, zerbröselte ein wenig Feta – für die salzige Krönung.
Es riecht nach Urlaub!, rief meine Freundin aus dem Wohnzimmer. Ich servierte direkt in der Pfanne, mit warmem Fladenbrot zum Tunken.
Wir aßen, lachten, schwiegen manchmal. Und ich schwor mir: Beim nächsten Mal mache ich doppelt so viel. Denn wer einmal Shakshuka serviert, muss mit Wiederholungstätern rechnen. +++





