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Keiner kann Kanzler

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Zusätzlich zur üblichen Sonntagsfrage hat das Market-Institut im Auftrag des „Standard“ kürzlich in der Bevölkerung abgefragt, wie geeignet die verschiedenen Spitzenkandidaten der Parteien für das Kanzleramt seien. Und die Ergebnisse waren interessant und beschämend zugleich.

Kurz gesagt: Keinem der sieben Kandidaten und der einen Kandidatin wird die Eignung für den Job als Bundeskanzler unterstellt. Herbert Kickl erreicht mit 15 Prozent noch den höchsten Wert, gefolgt von Karl Nehammer mit 13, Andreas Babler mit 9 und Beate Meinl-Reisinger mit 7 Prozent. Alle anderen Kandidaten von Werner Kogler über Dominik Wlazny bis zu Tobias Schweiger liegen unter 5 Prozent.

Das heißt auch, dass selbst bei den Wählern der eigenen Partei maximal zwei Drittel, eher aber nur die Hälfte (und bei Andreas Babler noch weniger) die Person an der Spitze als geeignet für den wichtigsten politischen Job des Landes ansehen. Auf der anderen Seite der Tabelle, wer „gar nicht als Bundeskanzler geeignet“ sei, führt ebenfalls Herbert Kickl, aber gleich mit 52 Prozent. Doch auch seine Kontrahenten Babler (29 Prozent) und Nehammer (24 Prozent) fahren eher desaströse Werte ein.

Offensichtlich wird dem handelnden politischen Personal vom Wahlvolk weitgehend die Eignung für den ausgeübten Job abgesprochen. Und bei nüchterner Betrachtung – was vor dem Einzug der Bierpartei ins Parlament noch erlaubt ist – kann ich dafür viel Verständnis aufbringen. Zugegeben, Alma Zadic versteht etwas vom heimischen Recht, Alexander Schallenberg von Außenpolitik und Martin Kocher von Wirtschaft (weshalb er auch lieber Nationalbank-Gouverneur werden möchte). Aber ansonsten, um im Sprachbild zu bleiben, ernüchtert einen der Blick auf die Regierungsbank doch deutlich.

Menschen mit klaren Positionen, Charisma und ehrlichen Antworten auf Journalistenfragen findet man in der heimischen Politik nur noch selten. Von Visionen und langfristigen Strategien für das Land gar nicht zu reden. Und so wundert es auch nicht mehr, wenn der Wahlerfolg für vergleichsweise authentische Persönlichkeiten wie Elke Kahr, Kay-Michael Dankl, Dominik Wlazny oder den neuen Innsbrucker Bürgermeister Johannes Anzengruber neuerdings eher leicht fällt. Hauptsache, sie sind anders. Und glaubwürdig, in dem was sie sagen. +++