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Good Craic vor 15 Jahren

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Wie soll man es nennen, wenn das Taxi am falschen Flughafen wartet? Wenn eine irische Landesmeisterin im Golf sich nicht getraut, mit einem abzuschlagen? Wenn sich die Menschen auf dieser tollen Insel bei strömendem Regen über den schönen Tag freuen? Oder einem eine Flughafen-Mitarbeiterin binnen 30 Minuten neue Reisedokumente organisiert? Man nennt es “Good Craic”. Und ich werde Ihnen noch erklären, was das genau ist.

Jedenfalls heute einmal, nur so zum Spaß: Erinnerung.

An eine Arbeitsreise von vor 15 Jahren, als ich nach Irland flog, um für ein österreichisches Magazin, inzwischen wie so viele Medien längst sanft entschlafen, über Golfplätze und Hotels zu schreiben. Ich miste nämlich gerade mein Archiv aus, einen ganzen Wohnzimmertisch voller Magazine, Zeitungen und diverser anderer Publikationen ergibt das – alles, was ich seit dem Jahr 2003 für welches Medium auch immer geschrieben habe. Eine ganz schöne Menge. (Mein Kater Schrödinger, der den Vorgang interessiert überwacht hat, war höchst irritiert, Sie sehen ihn im Aufmacherbild in der rechten oberen Ecke.) Jedenfalls, unter all den alten Magazinen fand ich auch eine Kolumne, die ich seinerzeit für das deutsche Printmagazin “playGolf!” getippt hatte und die gut in den Editors Blog passt.

Also, die Geschichte lief wie folgt ab:

Zunächst machte ich mir beim Start der Reise Gedanken darüber, dass am Wiener Flughafen ein Passautomat in der Ankunfts-, nicht jedoch in der Abflughalle stand. Denn mein Reisepass war abgelaufen und ich hatte es übersehen. Damals war die Reisefreiheit in der EU noch ein Produkt der Phantasie visionärer Politiker und de facto nicht vorhanden – man benötigte einen gültigen Pass, um in Irland einzureisen. Daher fand ich mich unversehens zwischen Airport-Notpassstelle (so etwas gibt es in Wien tatsächlich, sie hat sogar sonntags geöffnet) sowie Abflug- und Ankunftshalle pendelnd, und zwar ein wenig in Eile, weil Boarding in 30 Minuten angesagt war und ich noch nicht einmal nach Dublin eingecheckt hatte. Überhaupt ging an jenem Tag einiges schief, aber trotzdem für mich: Good Craic überall. Warum, das erzähle ich Ihnen gleich.

Anflug auf Dublin, den Notreisepass im Gepäck.

Jedenfalls hätte ich nie und nimmer Richtung Irland, tollste Insel Europas, abheben können, wäre damals nicht am Aer Lingus Check-in die freundliche Alexandra gesessen, die mir bei besagter Notpassstelle in Nullkommanix einem neuen Reisepass besorgte. Ausdrücklich wäre es mir sehr recht, käme bei ihrer Firma “fraport” jemand auf die Idee, diese feine Mitarbeiterin zu loben, sollte sie immer noch dort arbeiten. Ich hoffe, sie hat inzwischen Karriere gemacht. Es war jedenfalls in höchstem Maße Good Craic, wie souverän diese lässige Frau Unterhuber das kleine Problem eines abgelaufenen Passes von Reisenden on their way to Ireland handhabte.

Wenn auf alle ein Chauffeur wartet, nur auf dich nicht.

Jetzt aber tollste Insel: Klar wusste ich, dass sie es in Irland nicht so mit dem Organisieren haben – darum wunderte es mich später nach der Landung in Dublin nicht, dass die Chauffeuse, welche von Tourism Ireland organisiert worden war um mich nach Doonbeg zu bringen, nicht vorhanden war. Aber ich hatte mit ihrem Chef ein super Telefonat, in dem sich rasch herausstellte: Sie wartete sehr wohl auf mich – allerdings am Airport in Shannon, das liegt exakt auf der anderen Seite des Landes mit ein paar hundert Kilometern dazwischen. Beide amüsierte uns das telefonisch ziemlich, auch das ist Good Craic. So etwas nimmt man in Irland locker.

Ebenso umstandslos wie in Wien den neuen Pass bekam ich in Dublin dann von Michelle, Journalisten-Betreuerin vor Ort und Good Craic auch sie, ein Leihauto für die Distanz nach Shannon vermittelt, wo die Taxifahrerin tatsächlich fünf Sunden auf mich gewartet und dann leider keine Ahnung hatte, wie es nach Doonbeg weiter geht. In drei verschiedene Pubs schickte sie mich, um nach dem Weg zu fragen. So kam ich reihenweise mit freundlichen Iren ins Gespräch, das war auf jeden Fall Good Craic.

Nun aber die versprochene Erklärung: Good Craic. Am besten wäre ja vielleicht doch, Sie googeln das einfach. Es hat viel mit feinen Vibrations zu tun, mit Freundlichkeit, mit Originalität, mit einer ganz besonderen Art von Spirit, mit Spaß an der Freude, und in dieser Form gibt es das nur in Irland.

Good Craic war zum Beispiel wie gesagt sexy Michelle vom irischen Tourismusverband, die unsere Golfschreiber-Gruppe zwar hingebungsvoll betreute – aber nicht mit uns abschlagen wollte. Ihr Golf sei, meinte sie auf meine Frage nach dem Grund, „a little bit rusty“. Und erzählte dann doch verschämt, sie finde es nicht so schön, wenn erwachsene Männer neben ihr weinen, was ihr beim Golfspiel leider manchmal durchaus zustoße. stellte sich nämlich heraus: Sie war eine Amateur-Meisterin Irlands und „rusty” bedeutete in ihrer Welt, dass sie ein wenig außer Form war und bloß par-Runden zustande brachte, was durchaus Profigolfer-Niveau ist. Nur zum Vergleich: Wenn ich 18 über par spiele, bin ich sehr zufrieden mit mir.

Good Craic auch jener alte Mann, der mich ein paar Tage später am Ufer des Flusses Shannon im Brustton der Überzeugung mit einem Lovely weather! enthusiasmierte, während es aus Kübeln goss und der Nebel wie Watte über dem Land hing. Dass die Iren in manchen ihrer Autos über eine eigene Scheibenwischer-Intervallstellung „Mist“ verfügen, erwähne ich hier nur am Rande.

Schließlich fragte ich bei passender Gelegenheit noch Rory, damaliger Pressechef vom Tourismusverband “Fáilte Ireland”: Good craic, grinste er, is just good fun. Und riss sich danach ein Bein aus, um mir für den nächsten Tag einen Mietwagen zu besorgen, mit dem ich abweichend vom Tagesprogramm unserer Gruppe einen Ausflug nach Galway (die Stadt, in der sie alle immer unglaublich gut drauf sind) unternehmen konnte. Einfach nur, weil ich gesagt hatte, dass ich dort gerne hin würde.

Now that´s good craic. +++