Start Siegls Senf Die Landwirtschaft ist uns sehr teuer

Die Landwirtschaft ist uns sehr teuer

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Der Frühling hat Einzug gehalten und motiviert nun europaweit die Bauern, ihre Traktoren wieder mehr auf die Äcker und weniger zu den Regierungssitzen zu chauffieren. Den Straßenblockaden der Landwirte wurde dabei deutlich mehr Sympathie entgegengebracht als jenen der Klima-Kleber, auch wenn es Letzteren um die Zukunft ihrer Generation und Ersteren bloß um ihr Einkommen geht. Doch die Bevölkerung glaubt weitgehend den einfachen Erzählungen wie „Böse Supermarkt-Ketten diktieren die Preise, die armen Bauern bleiben auf der Strecke“, auch wenn es eher nicht die Wahrheit ist.

Ein Blick auf die Zahlen: 2022 stieg der Nettogewinn in der heimischen Landwirtschaft um 37 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro, obwohl im Jahr zuvor schon ein Plus von 15 Prozent erzielt wurde. In der Forstwirtschaft lag die Gewinnsteigerung sogar bei 53 Prozent. Die höheren Kosten für Energie und Düngemittel fielen also wegen der erzielten Preise und der zusätzlichen Subventionen kaum ins Gewicht.

Den satten Einkommenszuwachs verdanken die Bauern also den anderen Österreichern über hohe Lebensmittelpreise und Subventionen aus dem Steuertopf. Letzteres ist sogar entscheidend für den bäuerlichen Wohlstand, denn durchschnittlich 71 Prozent des Einkommens stammen aus Ausgleichs- und Direktzahlungen und nicht aus Produktverkäufen.

Jedem AMS-Aufstocker wird bei zusätzlichem Einkommen sofort Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe gekürzt, aber niemals bei den Landwirten. Das verhindert schon die schützende Hand der ÖVP. Dazu passt, dass nach Schätzungen bloß ein Fünftel der bäuerlichen Einkünfte für ihre Steuerbemessung herangezogen wird und im Vorjahr auf Initiative der ÖVP die steuerliche Pauschalierungsgrenze pro Betrieb von 400.000 auf 600.000 Euro angehoben wurde. Darunter zahlt man nur auf Basis eines fiktiven und äußerst geringen Ertragswertes Steuern, der tatsächliche Gewinn spielt keine Rolle.

Die Bauern zählen also zu den großen Gewinnern des Ukraine-Kriegs. In seinem Kanonendonner konnten sie ihre Einkommen zulasten der restlichen Bevölkerung massiv steigern. „Teuerungsausgleich“, „Stromkostenzuschuss“, gestiegene „Agrardieselvergütung“ oder „außergewöhnliche Anpassungshilfe“ heißen neben höheren Preisen für ihre Produkte die Treiber für massiv gestiegene Bauerneinkommen.

Wenn uns die Landwirtschaft schon in jedem Sinn des Wortes so teuer ist, ist sie dann auch wertvoll für die Gesamtwirtschaft? Kurz gesagt: Nein. 3,5 Prozent der heimischen Beschäftigten erwirtschaften 1 Prozent des BIP. Würden sie also irgendwo anders arbeiten, wären sie deutlich produktiver, würden auch noch ernsthaft Steuern zahlen und wir müssten sie nicht mit 70 Prozent ihres Einkommens subventionieren. Dafür wird man als Steuerzahler zumindest erwarten können, nicht mit Bauern-Demonstrationen belästigt zu werden. +++