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Bauwirtschaft: Die 100.000 Euro-Frage

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Die Sozialpartner haben sich also wieder einmal geeinigt. Am schnellsten funktioniert das immer zu Lasten Dritter, also des Steuerzahlers. Ein Maßnahmenpaket für die Bauwirtschaft wurde vorgestellt, dessen Kernpunkt ein „Eigenheimbonus“ von bis zu 100.000 Euro ist.

Zugegeben, der Bauwirtschaft geht es derzeit wegen gestiegener Kreditzinsen und höherer Eigenmittelanteile für die Kreditvergabe wirklich schlecht. Auch der grundvernünftige Wifo-Chef Gabriel Felbermayr sieht hier Handlungsdarf bei einer Branche, die etwa ein Zehntel der Wirtschaftsleistung erbringt. Aber eine Prämie von 100.000 Euro, wenn man noch ein Einfamilien-Haus auf die Wiese setzt? Hat man aus den Fehlern der Gießkannenförderung während Corona und Inflationskrise wirklich nichts lernen können?

Es beginnt bei der Bodenversieglung. Ausgerechnet jene Wohnform mit dem höchsten Flächenverbrauch am stärksten zu fördern wäre ökologischer Irrsinn. Dazu kommt, dass Häuslbauer, also Menschen, die ein eigenes Haus zumindest fast finanzieren können, nicht unbedingt jene sind, über die die Allgemeinheit besonders viel Geld regnen lassen sollte. Außerdem läge darin eine große Ungerechtigkeit gegenüber jenen, die etwa eine Eigentumswohnung (mit deutlich geringerem Flächenbedarf) kaufen oder jenen, die ihren Hausbau bald und damit allein auf eigene Kosten abschließen.

Stützungsmaßnahmen für die Bauwirtschaft aus dem Budget sind in der gegebenen Situation sinnvoll. Man sollte sich aber auf den sozialen Wohnbau konzentrieren und für den Rest gibt es bewährte Fördermöglichkeiten aus dem Unternehmensbereich. Zinsstützungen etwa oder Ausfallshaftungen des Staates gegenüber der finanzierenden Bank, damit der Kredit günstiger vergeben werden kann.

Eine Entrümpelung der neun Bauordnungen im Land könnte die Baukosten auch wieder senken. So müssen derzeit im gemeinnützigen Wohnbau alle Wohnungen barrierefrei gestaltet werden. Die allein dadurch entstehenden Kosten werden auf 100 bis 200 Euro pro Quadratmeter geschätzt. Ein gewisser Prozentsatz würde sicherlich auch genügen, um behinderten Menschen den Einzug in ein neu errichtetes Objekt zu ermöglichen. Diese Maßnahmen sollten ebenso bewirken können, das Bauen wieder leistbarer zu machen. Aber es ist Wahlkampf und somit laut Michael Häupl die „Zeit fokussierter Unintelligenz“. Und wir stehen erst am Anfang. +++