Start Business As Usual Wenn schon streiken, dann ordentlich

Wenn schon streiken, dann ordentlich

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Nur ein Buchstabe trennt das Wort Streit vom Wort Streik. Und wie jedes Jahr führen die Kollektivvertrags-Lohverhandlungen der Metaller vom einen direkt zum anderen: vom Streit zum Streik. Zumindest so irgendwie. Das erleben wir derzeit gerade wieder.

Die Metaller-Gewerkschaft nennt diese ersten Arbeitsniederlegungen “Warnstreiks”. Sie sind nichts anderes als mehr oder weniger hilflose Muskelspiele, die inzwischen fester Bestandteil des üblichen Lohnverhandlungsrituals sind, das wie folgt abläuft: Erste Gesprächsrunden mit Forderungs-Deponierung, dann Streit, keine Einigung, dann Streik (respektive Warnstreik), dann wieder Streit, dann heftigere Warnstreiks, dann Kompromiss. Erledigt, nächstes Jahr treffen wir uns wieder zum selben Ablauf am selben Verhandlungstisch und in selber Besetzung.

Das nützt niemandem, sogar der Unterhaltungswert ist mittlerweile enden wollend. Selbst verbale Highlights wie dieser halblustige “Dann-sollen´s-Scheißen-gehen”-Sager eines zweifelsfrei übermotivierten Gewerkschafters erntet statt Lachstürmen nur mehr Kopfschütteln. Sagen wir es, wie es ist: Trotz dieser lauwarmen Warnstreiks ist Österreich das Land der sinnlosen Kompromisse. Tatsächlich gestreikt wird bei uns so selten wie in kaum einem anderen Land Europas. Das wirtschaftsnahe Momentum-Institut hat heraus gefunden: Österreich verzeichnet, ebenso wie die Schweiz, nur einen Streiktag pro 1.000 Beschäftigte im jährlichen Durchschnitt. Nur in der Slowakei wird noch weniger gestreikt (0 Streiktage pro 1.000 Beschäftigte). Auch in Schweden (2 Streiktage) und Ungarn (4 Streiktage) wird verhältnismäßig wenig gestreikt. Belgien und Frankreich hingegen haben eine ausgeprägte Streikkultur mit 96 beziehungsweise 92 Streiktagen pro 1.000 Beschäftigte. Für Italien und Griechenland gibt es aufgrund fehlender Statistiken keine Daten, was aber nicht bedeutet, dass in diesen Ländern nicht gestreikt wird – siehe Taxi-Streiks in Italien im Oktober 2023.

Das fehlt Österreich: eine ordentliche Streikkultur. Wer Interessen hat, soll sie kompromisslos durchzusetzen versuchen und danach krempeln alle wieder die Ärmel auf und arbeiten. Reinigendes Gewitter und so weiter. Stattdessen wir sind das Land der halbgaren Lösungen, der lauwarmen Kompromisse, die keinem nützen, dafür aber allen schaden.

Die Arbeitgeber müssen flexibler werden und die Arbeitnehmer müssen fairer behandelt werden. Die Arbeitnehmer müssen aber auch ihre absurden, weltfremden Maximalforderungen ins Nirwana schicken und akzeptieren, dass es ihnen hierzulande ohnehin so gut geht, wie sonst kaum wo auf der Welt. Den Rest regelt dann der Markt: Arbeitgeber, die schlecht bezahlen oder Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ausbeuten, finden keine mehr. Tourismus und Gastronomie oder auch Pflegebetriebe können ein Lied davon singen. Hand in Hand mit einer sinn- und verantwortungsvollen Zuwanderungspolitik der Regierung – von der derzeit im Übrigen nicht die Rede sein kann – können freie Bad Jobs dann auch nicht mehr mit Menschen aus unterprivilegierten Ländern besetzt werden. Dann pendeln sich im Laufe der Jahre auch Lohnforderungen der Gewerkschaft und Gehaltsangebote der Arbeitgeber ganz automatisch wieder auf eine verträgliche Diskrepanz ein, die ohne Streit und Streik beseitigt werden kann.

Und wenn das nicht der Fall ist, dann soll um Gottes Willen halt einmal ordentlich gestreikt werden. Nicht diese lächerlichen Warnstreiks, sondern richtige Streiks. Und dann soll es zu Massenentlassungen kommen. Knalleffekte sind unglaublich effiziente Problemlösung-Katalysatoren. Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende – weil es eben das Ende eines untragbaren Zustandes herbei führt, nach dem es wieder besser weiter gehen kann. Also, Regierung: Betreibt endlich eine ordentliche Zuwanderungspolitik und lasst nicht schrankenlos Hinz, Kunz und Gesindel aller Art ins Land. Sondern nur vernünftige, qualifizierte Menschen, die bereit sind, unsere Regeln des Zusammenlebens zu akzeptieren, die Sprache zu lernen und die Gesetze zu befolgen. Und natürlich echte Flüchtlinge, die wirklich Hilfe benötigen und die dann aber auch zu schätzen wissen. Schafft außerdem endlich moderne Arbeitsgesetze und senkt diese absurd hohen Lohnnebenkosten. Plus: Erleichtert die Selbständigkeit, entlastet die Selbständigen. Und ihr, Arbeitgeber, lasst euch unverschämte Sager und Forderungen übermotivierter Gewerkschafter aus der zweiten und dritten Reihe nicht einfach so gefallen. Behandelt gute Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen besser und zahlt ihnen freiwillig super Gehälter, schmeißt schlechte und tachinierende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach raus.

Und ihr von der Gewerkschaft: Lasst diese lächerlichen Warnstreik-Schmierenkomödien endlich sein. Wenn ihr glaubt, dass es notwendig ist, dann streikt. Aber richtig. Also mit allem Drum und Dran. Wenn eure Forderungen gerechtfertigt sind, werdet ihr sie auch durchsetzen. Sonst nimmt euch bald sowieso keiner mehr ernst. +++