Start Business As Usual Die Denker und Lenker von Vorgestern in Sölden

Die Denker und Lenker von Vorgestern in Sölden

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Wirklich überraschend kann es ja für niemanden kommen, dass dieser Tage – wir haben gefühlt fast noch Spätsommer – auf dem Söldener Gletscher zu wenig Schnee liegt, um Schi zu fahren. Vor allem, um ein Weltcuprennen zu veranstalten. Dennoch gehen jetzt die Wogen angesichts des erbärmlichen Bildes, das der Gletscher bietet, hoch: Viel graues Geröll, kein Schnee, nur ein schmales, schmutzig-weißes Band, das abrupt abbricht. Darauf soll der Weltcup-Auftakt am kommenden Samstag stattfinden? Das bissl Schnee haben die Söldener Veranstalter aus konserviertem Vorjahresschnee (ja, im Ernst) und, natürlich, aus Schneekanonen mühsam fabriziert. Bei Plusgraden selbst oben am Gletscher macht es aber nicht nur nicht viel her, sondern es hält auch nicht. Es wäre interessant zu erfahren, ob sie für diesen sinnlosen Energieverbrauch Förderungen erhalten haben. Touristen ziehen diese Bilder jedenfalls nicht an, sie wirken eher abschreckend.

Die Tourismus- und Seilbahnwirtschaft in Österreich hat es einfach noch immer nicht kapiert. Ins Schifahren zu investieren, am Schifahren festzuhalten, ist kein ökonomisch sinnvolles Geschäftsmodell für die Zukunft. Das fällt angesichts des Klimawandels eher in die Kategorie Dummheit als unter unternehmerisch und gesellschaftlich verantwortliches Handeln. Und wenn nun einige Vernünftige im Schizirkus mahnen, man möge doch, wenn man schon die Gletscher zerstören muss, wenigstens einen späteren Termin für den Weltcupstart festlegen, damit der ganzen Wahnsinn nicht ganz so wahnsinnig ausfällt, dann tun die Ewiggestrigen bei FIS, ÖSV und Veranstaltern das einfach ab, schieben es beiseite. Ganz schlechter Stil, ganz große Dummheit.

So geht Realitätsverweigerung und ökonomische Unvernunft. Geschäftsmodelle von gestern gehören heute für morgen geändert. Wer stattdessen daran festhält, wird sich mit dem wirtschaftlichen Überleben schwer tun. Die Hoteliers, die Bergbahnen, die Tourismusverantwortlichen, die Schiverbands-Manager – alle, die das nicht und nicht verstehen wollen, könnten zu Pleitiers von morgen und Handlangern des künstlichen Klimawandels werden. Womöglich macht es für die Konsumenten ja Sinn, sich bei der Wahl ihrer künftigen Urlaubsziele zu überlegen, wo modern, nachhaltig und wirtschaftlich vernünftig gedacht wird. Und dann dorthin zu fahren statt, nur zum Beispiel, in die Heimat der Denker und Lenker von Vorgestern. +++