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Having Dinner

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Schrödinger weiß: Macht sein Mitbewohner sich in Richtung Spar-Supermarkt um die Ecke auf, besteht eine gar nicht einmal so schlechte Chance auf Hühnerfilet.

Die beim Spar haben einfach keinen Sinn für Einpersonenhaushalte, flüsterte ihm der Mitbewohner nämlich schon vor geraumer Zeit ins Katerohr, die Maishendl-Portionen bei denen reichen locker für dich und mich für zwei Mittagessen.

Seither hofft Schrödinger: Marschiert der Mitbewohner zum Spar, gibt’s für ihn zwei Tage lang Hühnerfilet. Und weil er ein höchst empathischer Kater ist, vermutet er auch, sein Mitbewohner sitzt nicht gerne allein am Tisch, wenn das gebratene Hendl, womöglich mit ein paar Nudeln garniert, auf dessen Teller liegt. Also verweigert er grundsätzlich immer dann, wenn Hühnerfilet seinen Glasnapf füllt, die Einnahme der Mahlzeit im Restaurantbereich im Erdgeschoß seines Wohnturms. Er will neben dem Mitbewohner am Wohnzimmertisch speisen. Den freut das, denn seinen Schrödinger will der zart besaitete Mitbewohner am liebsten immer möglichst nahe bei sich haben. Also haben sie dann jeweils Dinner side by side, der Mitbewohner und Schrödi. Aber nur, wenn es Huhn gibt.

In Schrödingers WhatsApp-Gruppe wird der Mitbewohner, seit er Fotos davon gepostet hat, von Gruppenmitgliedern sanft darauf aufmerksam gemacht, dass er da aufpassen müsse. Den woran sich der Jungkater gewöhne, das bleibe diesem sein Leben lang. Der Mitbewohner antwortet dann, dass ihm das egal sei, den Schrödinger sei sein Freund, man teile sich eine Wohnung, und das Recht des Einen sei selbstverständlich auch das Recht des Anderen. Und wie er selbst könne Schrödi sein Essen zu sich nehmen, wo immer er wolle. Außerdem liebe er es, wenn sein Kater sich möglichst nahe bei ihm aufhalte – egal ob er gerade mit Schreibarbeiten beschäftigt ist, schläft oder eben Hühnerfilet isst. Weil, schließlich, Schrödinger und er, der Mitbewohner: Bromance. Und Schrödinger liebe dieses Essen nebeneinander hin und wieder ebenfalls.

Eine kleine Sorge schlängelt sich bei Schrödinger zwar hier und da durchs Katerhirn, aber er marginalisiert sie durch positives Denken selbst ins Nirwana einer kollabierenden Wellenfunktion der Wahrscheinlichkeit. (Schrödinger ist klar, dass viele seiner Leser und Innen womöglich diese Formulierung jetzt nicht sofort durchschauen, aber er gibt zu bedenken, er trage eben den Namen eines Quantenphysikers und da müsse man halt mit gewissen Begrifflichkeiten schon ein bissl großzügig um sich werfen.) Jedenfalls fürchtet der Kater sich sogar ein wenig davor, dieses Dinnieren Seite an Seite könnte ein Ablaufdatum haben. Es ist nämlich so: Der Mitbewohner hat ihm erklärt, er sei mit dem obersten aller obersten Spar-Bosse, dem Eigentümer und CEO himself, dem Superchef höchstpersönlich, acht Jahre lang zur Schule gegangen, man habe sogar zusammen maturiert, Handball gespielt und so weiter.

Ich werde dem irgendwann einmal ein Mail schreiben, grummelt der Mitbewohner ab und zu, wenn er gerade wieder einmal mit einer deutlich zu großen Portion Maishendl vom Spar nach Hause gekommen ist, und ihm sagen, er soll gefälligst passende Portionen für Singles anbieten.

Lebt ja schließlich nicht jeder ein glückliches Leben mit drei Kindern und allem Pipapo, fügt er meistens noch an, es gibt Menschen, die haben weniger Glück, verdienen im Vergleich zu einem Spar-CEO so gut wie gar nichts, leben allein und sind einsam und traurig!

Und der Mitbewohner klatscht dann mit der flachen Hand immer auf den Wohnzimmertisch, nicht zu kräftig, damit sich Schrödinger nicht unnötig schreckt, aber doch entschlossen genug um zu demonstrieren, dass er seinen Vorsatz irgendwann in die Tat umzusetzen gedenke.

Du doch nicht, brauchst nicht traurig sein, miaut Schrödinger dann stets und legt seinen Kopf auf die Hand des Mitbewohners, die nach dem Aufprall auf der Tischplatte ein wenig deplatziert herumliegt und in ihrer soeben demonstrierten entschlossenen Unentschlossenheit ratlos wirk.

Weil ich wohne eh bei dir und ich geh da nie mehr weg!, ergänzt er.

Aber er freue sich, miaut Schrödinger weiter, wenn der Mitbewohner ihm ab und zu ein Hünherfilet vor Spar mitbringe, das er dann Katzennapf an Mitbewohnerteller mit ihm verzehren könne. Dinner for two, quasi, gleich zweimal hintereinander. Als Zeichen der Verbundenheit, der Freundschaft und so weiter. Also solle doch der Spar-Boss alles so lassen, wie es eben ist, das passe schon, fordert der kleine Kater. Und dann stupst Schrödinger den Mitbewohner mit seiner rosaroten Nasenspitze immer noch zärtlich an, so, dass dessen eigenes überdimensionales Riechorgan auch gleich ganz rot wird vor lauter Rührung.

Eh wurscht, sagt der Mitbewohner dann: Nächste Woche hol ich uns wieder Maishendl für zwei und für zwei Tage!

Und dann freuen Schrödinger und der Mitbewohner sich zusammen, der Kater bekommt seine Lieblingsstelle hinter den Ohren gekrault und der Mitbewohner denkt daran, wie schön es doch ist, dass der Schrödinger jetzt bei ihm wohnt. +++

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