Start Schrödinger Schrödingers Reise, Teil 2: Das Soul Red Summer Feeling

Schrödingers Reise, Teil 2: Das Soul Red Summer Feeling

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Manchmal, da geht sein Mitbewohner Schrödinger schrecklich auf die Nerven.

Aber es gibt auch Momente, da findet er richtig gut, was der gar nicht mehr so junge Mann treibt. Da wäre zum Beispiel diese Sache mit der Namensgebung. Der Mitbewohner, der immer großspurig behauptet, sein unerreichbarer Traumjob sei es stets gewesen, Namen für Schiffe zu erfinden, lässt sich da des öfteren durchaus Dinge einfallen, die Schrödinger gefallen. Etwa das mit der Mittelarmlehne im Auto: Als der Mitbewohner bemerkte, dass Schrödinger es während der Fahrt bevorzugte, sich darauf auszustrecken und das eine oder andere Nickerchen einzulegen, um öde Autobahnabschnitte zu überbrücken, benannte er eben diese Mittelarmlehne sofort in Schrödingerliege um. Schrödinger ist der Ansicht, auf einem Untersatz, der den eigenen Namen trägt, schläft es sich gleich viel angenehmer.

Auf der Schrödingerliege im Soulredsummerfeelingauto.

Oder das Auto überhaupt. Der Mitbewohner, der, so findet Schrödinger, mehr und mehr zum schrulligen Menschen mutiert, spricht von diesem Fahrzeug ausschließlich als Soulredsummerfeelingauto. Es mag damit zu tun haben, dass die Farbe des Wagens schon herstellerseitig Soul Red getauft wurde und man das Dach öffnen kann, was Schrödinger nicht nur ausdrücklich gutheißt, sondern was auch ein gewisses luftiges Sommergefühl entstehen lässt. Beim Kater ebenso wie beim Mitbewohner. Seit Schrödingers Anwesenheit in dessen Leben hat der Kater den Mitbewohner auch hin und wieder vom Soulredsummerfelineauto reden hören. Darauf kann er sich zwar keinen Reim machen, aber beide Namen findet Schrödinger gut. Und dann gibt es da noch dieses Segelboot, auf dem Schrödinger demnächst sein Kapitänspatent machen will, nachdem der Mitbewohner ihm dort bereits eine eigenes Kajüte zum Schlafen und Dinnieren eingerichtet hat. Es heißt Blue Grape und wann immer Schrödinger nachdenkt, woher der Name kommen könnte, sagt der Mitbewohner nur:

Schrödi, das ist wirklich eine andere Geschichte.

Sowas kommt der angeborenen Neugierde einer Katze natürlich nicht entgegen und Schrödinger miaut dann stets zurück:

Curiousity kills the cat, man! Denk dran, wenn ich einmal nicht mehr sein sollte und du schon noch!

Natürlich versteht der Mitbewohner wie üblich kein einziges Miau. Schrödinger verschwendete gerade aber keine weiteren Gedanken daran, denn auf der Schrödingerliege im Soulredsummerfeelingauto vor sich hin chillend, genoss er die Fahrt. Nun war ihm klar, was das am frühen Morgen nach dem Aufstehen gewesen war, diese innere Unruhe – eine Vorahnung auf die Reise, die sein Mitbewohner heute mit zu unternehmen beabsichtigte.

Wir fahren heute nach Mondsee, hatte er Schrödinger ins Ohr geflüstert.

Schrödinger war bei Botschaften dieser Art immer ein wenig gespalten. Einerseits war seine Sommerwohnung am Mondsee ein wenig zu klein für die viele überschüssige Jungkaterenergie, die sich bei ihm mehr und mehr anstaute. Außerdem schob sein Mitbewohner dort regelmäßig Panik und verbarrikadierte alle Ausgänge. Für Schrödinger war das eine echte mentale Herausforderung: Die Wohnung verfügte über eine Fensterfront mit Blick auf den See und weil sie erhöht lag, konnte man von dort wirklich vieles beobachten, das einen anschrie:

Hey, du! Kater da oben! Komm raus zu uns und wir machen was zusammen!

Und Schrödinger: konnte nicht raus. Früher, als er noch viel kleiner und schwächer gewesen war, als ihn sein Mitbewohner noch auf die Terrasse gelassen hatte, er die Sicherungen jedoch mühelos in Zehntelsekundenschnelle überwunden hatte, hatte er zumindest noch die feine Mondseeluft schnuppern können, diesen wunderbaren Salzkammergutduft. Zweimal hatte ihn sein Mitbewohner lediglich einen Herzschlag von dem 8-Meter-Absturz auf den Steinboden vor dem Haus retten müssen. Seither ließ er Schrödinger nicht mehr raus.

Andererseits aber: Hey, der Mondsee!

Es gibt dort immer noch genug Zerstreuung, doch davon will Schrödinger den Ghostwriter erst in Teil 3 dieser Story erzählen lassen. Heute ist das Cabriofahren an den See das Thema.

Schrödinger, der supermutige Kater, will Spaß und liebt Autofahren daher. Der Mitbewohner hat ihm einen Katzenrucksack besorgt, der lässt sich mit dem Sicherheitsgurt festschnallen, und am Rucksack ist eine 40-Zentimeter-Leine angebracht, die der Mitbewohner immer an Schrödingers blauer Ausgehgarderobe befestigt. Seine “Anser-Panier”, würde der viel zu früh verstorbene Ostbahn-Kurti singen, Schrödinger hat sie von seiner lieben Freundin V und ihrem Vater erhalten, die beide Mitglieder seiner WhatsApp-Gruppe sind.

Jedenfalls, diese Konstruktion lässt Schrödinger im Auto genug Bewegungsfreiheit, dass er aus dem Beifahrerfenster schauen kann, nach hinten schauen kann, und auch nach vorne einen guten Blick hat, wenn er sich auf die Schrödingerliege setzt. An die gefährlichen Stellen des Soulredsummerfeelingautos, etwa zwischen die Pedale, gelangt er aber nicht. Das kleine Auto ist zudem kuschelig genug, dass Schrödinger sich wohlfühlen kann. Manchmal fragt er sich zwar, wie sein Mitbewohner trotz dessen rundlicher Gesamtkonstitution im engen Wagen Platz findet. Und wenn er ihm bei den yogaübungsähnlichen Verrenkungen des Ein- und Aussteigens zusieht, grinst er immer sein spöttischstes Katzengrinsen, aber: Schrödinger liebt das Soulredsummerfeelingauto und das Unterwegssein in diesem Wagen.

Diesmal allerdings zwischenzeitlich, frage nicht.

Sein Mitbewohner warnte ihn noch vor: Achtung, jetzt wird’s ungemütlich, hatte er gesagt. Und in der Sekunde war die Hölle losgebrochen, Gewitter im Ausseerland. Und dort sind Gewitter kein Katzenbabygeburtstag. Während Schrödinger rechts drüben, in Richtung Grundlsee, ein wenig blauen Himmel ausmachen könnte, prasselte gleichzeitig bei Kainisch sowas von einem starken Starkregen auf das Soulredsummerfeelingauto herab, dass es zum Fürchten war. Und dann hagelte es auch noch, es war finster geworden, man sah kaum fünf Meter weit, der Mitbewohner fuhr an den Fahrbahnrand und stellte den Motor ab. Es trommelte und krachte und prasselte und rauschte, rattatattatatta und bummpeng und rattatattataa und schschschsch und pengbumm, und das alles in ohrenbetäubender Lautstärke. Sogar Schrödinger, der mit Nerven aus Stahl und einer bemerkenswerten Furchtlosigkeit ausgestattet ist, wurde ein wenig mulmig. Nur ungern gesteht er rückblickend, dass es für ihn beruhigend und tröstlich war, sich auf den Oberschenkel seines Mitbewohners kauern, seinen Kopf an dessen überdimensionales Bäuchlein legen zu können, und dass der Mitbewohner ihn ohne Unterlass streichelte, während er ihm freundlich zumurmelte:

Alles gut, mein lieber Schrödi, das ist nur ein Gewitter, es macht zwar Wirbel, aber es kann uns nichts tun. Du brauchst keine Angst haben, das geht bald wieder vorbei. Und ich bin eh bei dir. Ich pass gut auf dich auf!

So beruhigend war das sogar, dass Schrödinger mitten im Getöse des Gewitters einschlief. Als er wieder aufwachte, führ das Soulredsummerfeelingauto unter strahlend blauem Himmel gerade den Pötschen hinab. Schrödinger richtete sich auf seiner Liege auf und erhaschte links unten ein kleines Fleckchen Hallstättersee. Das gefiel ihm. Der Mitbewohner pfiff zu einem Liedchen, das sich aus dem Autoradio an Schrödingers Ohren schlängelte, weil er im Schlaf mit seiner linken Hinterpfote gestrampelt und irrtümlich die Mute-Funktion ausgeschaltet hatte. Dirty old toooown, dirty old tooown, sang der Mitbewohner immer wieder den Refrain mit und Schrödinger nahm sich vor, dem Mitbewohner bei Gelegenheit ausführlich auseinanderzumiauen, dass der sowas lieber sein lassen sollte, weil er nämlich überhaupt nicht singen konnte. Aber so verflog jedenfalls die Zeit.

Cabriorundumblick vor seinem Mondsee-Zuhause für Schrödinger.

Als man ein wenig später am Mondsee ankam, Schrödinger erkannte die wunderbare Aussicht vom Hilfberg auf den See hinunter sofort wieder, war er schon längst wieder guter Dinge. Der Mitbewohner hatte das Dach zurück geklappt, parkte den Wagen und stellte Schrödingers Rucksack samt Kater auf das Heckverdeck, sodass Schrödinger ein wenig Rundumblick hatte. Er miaute zufrieden.

Und am Samstag, Schrödi, ich verspreche es dir, sagte der Mitbewohner, fahren wir gemeinsam in den Segelclub, du wirst S wieder treffen, der du vor fast zwei Monaten zugelaufen bist, und die zwei kleinen Schwestern A und V werden auch da sein und mit dir spielen, und auf die Blue Grape gehen wir auch. Das wird dir Spaß machen, dir wirst sehen!

Das wird mir Spaß machen!, miaute Schrödinger zurück.

Er nahm sich vor, oben in der Wohnung dann gleich als erstes einmal das zu tun, was er am besten konnte: sie verwüsten. Der Mitbewohner würde sich freuen, da war Schrödinger sich sicher. Während der danach alles wieder in Ordnung bringen konnte, würde Schrödinger ein Nickerchen halten und sich auf den nächsten Tag und den Besuch bei seinen Freunden und Freundinnen im Segelclub freuen.

Der Mitbewohner konnte sehen, dass Schrödinger zufrieden war. Dann war er es auch. +++

Fortsetzung folgt demnächst …

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