Start Editor's Blog Die vielen Fehlpässe der Stadion-Debatten im Fußball

Die vielen Fehlpässe der Stadion-Debatten im Fußball

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Jetzt rollt das Leder wieder, um einen der vielen sprachlichen Gemeinplätze zu gebrauchen, die im Fußball so gerne verwendet werden. Da wird es natürlich Zeit, sich einmal der neuerlich angepfiffenen Debatte um moderne Stadien in Österreich zu widmen. Die Grazer Kleine Zeitung, das steirische Micky-Maus-Heft für Erwachsene, bringt heute ein Interview mit dem Präsidenten von Sturm Graz, der das Grazer Fußballstadion um einen zweistelligen Millionenbetrag von der Stadt kaufen will – mit Zwangsverpflichtung für die Kommune, diese Einnahmen in den Bau eines neuen, kleineren Stadions zu stecken, das dann dem Lokalrivalen GAK zur Verfügung gestellt werden könnte.

Ein an sich ehrenvolles Ansinnen, wie es aber typischer für die völlig verkehrt laufende Debatte nicht sein könnte, in der sich Politik und Fußball reihenweise Fehlpässe zuschieben.

Ja, es macht prinzipiell Sinn, wenn ein Fußballverein sein eigenes Stadion besitzt und damit wirtschaften kann, wie immer er es für angebracht hält. Aber nein, es macht keinen Sinn, wenn sich eine Kleinstadt wie Graz – und im internationalen fußballerischen Kontext ist man mit 300.000 Einwohnern und Innen eine Kleinstadt – zwei international taugliche Stadien leistet, die dann in der Regel mit zwischen vielleicht gerade einmal 5.000 und 15.000 Zusehern oder Zuseherinnen pro Spiel gefüllt sind.

Sport und vor allem Fußball ist auch im provinziellen Österreich ein ökonomischer und sozialer Faktor. Die Öffentliche Hand ist damit gefordert, Steuergeld zu investieren. Auch Fußball ist Kultur – und erreicht mehr Menschen als zum Beispiel die Oper. Bund, Länder und Gemeinden täten gut daran, sich in angemessenem Ausmaß moderne Fußballstadien zu leisten. Es ist eine echte Schande, dass Österreich über kein modernes, international voll taugliches Fußball-Nationalstadion verfügt. Es ist eine Schande, dass eine Stadt wie Graz, immerhin Europas Kulturhauptstadt des Jahres 2003, nur über eine heruntergekommene Arena aus dem vergangenen Jahrtausend verfügt, die Uefa-Anforderungen nur mehr rudimentär gerecht wird. Diese beiden Versäumnisse sind auf Bundesebene dem früheren Sportminister Heinz-Christian Strache und dem aktuellen Sportminister Werner Kogler anzulasten, auf Gemeindeebene dem früheren Bürgermeister Siegfried Nagl und der aktuellen Bürgermeisterin Elke Kahr. Eine ziemlich bunte Mischung aus blauer, schwarzer, grüner und KPÖ-roter Tatenlosigkeit.

Graz braucht nicht zwei Stadien für zwei Fußballklubs – aber sehr wohl ein modernes, international voll taugliches Stadion. Die Stadt muss endlich ins Gegenpressing kommen, das Spiel an sich reißen und rasch Geld in die Hand nehmen, um das sicherzustellen. Und Österreich braucht ein modernes Nationalstadion plus vier oder fünf Ausweichmöglichkeiten – die es derzeit in Linz, Salzburg, Klagenfurt und auch Innsbruck gibt. Wenn Graz dazu käme, wäre das fein. Da braucht es zweifelsohne eine bessere Offensive und weniger Verteidigung.

Der Fußball in Österreich braucht weniger Kleingeist, weniger dilettantische Sportpolitiker und weniger uninspirierte Provinz-Funktionäre. Vor allem braucht er weniger retardierte Fans wie etwa die Rapid-Anhänger, die deshalb keine Länderspiele des Nationalteams in ihrem Stadion wollen, weil dann auch Austria-Anhänger auf Stadionsitzen Platz nehmen könnten, die sonst Rapid-Fans vorbehalten sind. So deppert musst du erst einmal sein – oder um es mit Austria-Legende Herbert Prohaska zu sagen:

Gute Nacht! +++

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