Start Siegls Senf Vermögensverteilung in Österreich: Wirklich alles ungerecht?

Vermögensverteilung in Österreich: Wirklich alles ungerecht?

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335 Personen in Österreich besitzen 35 Prozent des gesamten Geldvermögens im Land. Jede dieser Personen besitzt mehr als 100 Millionen US-Dollar. Dies geht aus dem sogenannten „Global Wealth Report“ der Boston Consulting Group hervor.

Die grüne Klubobfrau Sigrid Maurer bezeichnete diese Schätzung der US-Berater umgehend in der ZiB2 als „Frechheit“ und die anderen Reaktionen waren nicht sehr viel freundlicher. Abgesehen davon, dass wohl der mehr als überwiegende Teil dieser 335 Personen durchaus legal an das Vermögen gekommen ist, gibt es zumindest zwei Dinge anzumerken.

Erstens: Österreich bietet für Superreiche aus dem Ausland sehr attraktive Bedingungen, weshalb viele mit mehr oder weniger ihrem gesamten Vermögen erst ins Land gekommen sind. Die Landschaft ist schön, die Lebensqualität ausgezeichnet und das Stiftungsrecht international vorzeigbar. Vor allem aber hebt Österreich – derzeit – keine Erbschaftssteuer ein. Deshalb sind Superreiche wie beispielsweise Reinhold Würth (der mit den Schrauben) in hohem Alter nach Österreich gezogen. Würth allein wird auf ein Vermögen von 19 Milliarden US-Dollar geschätzt. Jetzt darf man annehmen, dass sein Wohnsitz in Salzburg samt zugehöriger Holding sich nicht wirklich zum Schaden des Landes auswirkt. Im Gegenteil: Würth agiert beispielsweise als großzügiger Kunstmäzen und bezahlt wohl seine Rechnungen pünktlich.

Zweitens: Nicht nur die Vermögensverteilung ist ungleich, sondern natürlich auch die Lohn- und Einkommensteuerzahlungen. Laut Statistik Austria zahlt die gesamte untere Hälfte der Einkommensbezieher weniger als 3 Prozent des Steueraufkommens, die obere Hälfte den kompletten Rest. 42,5 Prozent der Lohn- und Einkommensteuereinnahmen kommen überhaupt von den bestverdienenden 5 Prozent und jene im Inland Steuerpflichtigen mit mehr als 3 Millionen Jahreseinkommen haben im Durchschnitt jeder 2,5 Millionen Euro an den Staat abgeliefert. Es stimmt also einfach nicht, dass die Superverdiener keinen adäquaten Beitrag zum Gemeinwesen abliefern.

Jetzt kann man durchaus über eine Umverteilung der Steuerlast in Österreich diskutieren. Vermögen wird vergleichsweise wenig besteuert, die Arbeitsleistung hingegen extrem hoch. Mit fast 50 Jahren an Politikbeobachtung in Österreich fürchte ich allerdings, dass die Erhöhung von vermögensbezogenen Steuern nicht eins zu eins in die Senkung von Lohn- und Einkommensteuer fließen würde, sondern vor allem in der Erhöhung der ohnehin international mehr als überdurchschnittlichen Staatsausgaben landen würde.

Begehrlichkeiten gibt es ja bereits genug: Jedes Thema von Gesundheit, Pflege, Bildung oder Klimawandel würde sofort in die Diskussion geworfen. Nur, dass all diese Bereiche nicht unter Unterfinanzierung, sondern vor allem unter falscher Verteilung der eingesetzten Mittel und zersplitterten Kompetenzen leiden. Hier korrigierend einzugreifen würde aber in Österreich mehr politischen Mut erfordern als die Einführung einer neuen Steuer. +++

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