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Held der Woche: der Wolf

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Ja, natürlich. Die Wölfe, die in Österreich langsam – und endlich – wieder zurückkehren und sich in unseren Wäldern neu ansiedeln, reißen ein paar Schafe. Man nennt das Ernährung, um zu überleben.

Wir Menschen, die wir uns hier angesiedelt haben, lange nachdem der Wolf in unserer Gegend bereits zu Hause war, reißen keine Schafe. Wir schlachten ab. Nicht ein paar, sondern in Massen. Wir züchten sie, nicht selten unter fragwürdigen Bedingungen, um sie dann industriell zu verwerten. Ob man dazu “Ernährung um zu überleben”, sagen kann, ist bestenfalls Ansichtssache. “Von intensiven Fleischschafrassen und Milchschafrassen gibt es für jeden persönlichen Anspruch und jede Region die entsprechende Rasse”, schreibt jedenfalls der österreichische Bundesverband für Schafe und Ziegen auf seiner Website. “Intensive Fleischschafrassen”. Allein dieser Begriff sagt eigentlich schon alles darüber, wie der gefräßige Räuber Mensch mit dem Tier Schaf umgeht. Er ist demaskierend.

Und dann gibt es da ja auch noch die schießwütigen Jäger, die gerne auf Wölfe ballern würden, was das Zeug hält, weil es halt schon cool ist, einen ausgestopften Wolfskopf zu Hause an der Wand hängen zu haben.

Selbstverständlich tun die tapferen Waidmänner das unter dem Vorwand, Vieh, Mensch und Natur zu schützen. Das ist ebenso selbstverständlich ziemlicher Humbug. In Österreich ist aus den vergangenen Jahrzehnten kein einziger Fall bekannt, in dem ein Wolf einen Menschen angegriffen hätte. Aber es gibt mittlerweile genug Fälle von erschossenen Wölfen, weil die eines oder ein paar Schafe gerissen haben, um … siehe ganz oben. Im selben Zeitraum haben Menschen Hunderttausende Schafe getötet, um sie zu essen oder sonstwie ökonomisch zu verwerten. Mensch und Wolf – völlig klar, wer von beiden der gefährlichere Schafkiller ist.

Trotzdem gibt es populistische, man ist fast versucht zu sagen: dümmliche Politiker (hauptsächlich von der ÖVP und der FPÖ), die ihren überschaubar reflektierten sowie ihren jagenden und schafzüchtenden Wählern gerne Wölfe vor diverse Flinten treiben. Sie haben für dieses widersinnige Halali sogar zwei Begriffe erfunden, die sie zum Schönfärben verwenden, wenn sie wieder einmal einen Wolf zum Abschuss freigeben (obwohl nationale und internationale Gesetze das eigentlich verbieten):

“Problemwolf” und “Entnahme”.

Trägt ein Tier einmal diese Punze “Problemwolf”, ist es Freiwild im schlimmsten Sinne des Wortes. Dabei gibt es eigentlich gar keine Problemwölfe. Sondern nur Problempolitiker und Problemjäger – also Problemmenschen. Und man sollte viel eher Problempolitiker und Problemjäger “entnehmen” – indem man sie nicht mehr wählt oder ihnen die Jagderlaubnis entzieht.

Der Wolf setzt sich gegen geifernde, schießwütige und missgünstige Exemplare der Spezies Mensch heldenhaft zur Wehr, die ihm einst seinen natürlichen Lebensraum geraubt hat und jetzt alles daransetzt, ein künftiges gedeihliches Miteinander zum Vorteil beider Spezies zu verhindern. Wobei anzumerken ist: Er setzt sich mit friedlichen Mitteln zur Wehr – einfach nur, indem er da ist. Der Wolf wendet gegen den Menschen keinerlei Gewalt an, der Mensch gegen den Wolf sehr wohl.

Es gibt viele Argumente, die dafür sprechen, Wölfe wieder ins Land zu lassen und die paar Schafe, die das das Leben kostet, einfach hinzunehmen. Es gibt kein einziges stichhaltiges Argument, das dagegen spricht. Und es gäbe viele Möglichkeiten, mit dem Verlust einiger Schafe finanziell umzugehen. Man müsste dazu allerdings vernünftig sein. Jedoch Jäger und Vernunft, Politiker und Vernunft, FPÖ- sowie ÖVP-Wähler und Vernunft, Schafzüchter und Vernunft – das ist so eine Sache.

Wie auch immer, aufgrund seines heldenhaften und friedfertigen Kampfes gegen die Waidmann-Djangos und Polit-Rambos unter den Menschen macht die such*stuff Redaktion den Wolf, der sich wieder in Österreich ansiedeln möchte, zum Weekly Hero. Viel Glück weiterhin – und pass bloß auf, Isegrim, wenn du im Wald seltsamen Männern mit grünen Hüten, grünen Jankern, halblustigen kleinwüchsigen Hunden und knallenden Prügeln begegnest, weil: Gefahr. +++