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Menschen, die auf Wasser starren

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Infineon-CEO Sabine Herlitschka, nebenbei auch Vizepräsidentin der Industriellenvereinigung, tut es. Der ehemalige Kärntner Landeshauptmann Christoph Zernatto tut es. ÖBB-Vorstand Arnold Schiefer tut es, die Journalisten-Kollegen Otmar Lahodynsky – such*stuff Außenpolitiblogger – und Arne Johansen tun es, Algenexpertin Silvia Fluch tut es, und genug andere Menschen, mich eingeschlossen, tun es inzwischen auch.

Auf Wasser starren. Und das bei der Arbeit.

Sogar der slowakische Tischler Ondrej erzählte mir vor Jahren, als er auf meiner Terrasse am Mondsee die ikea-Küche auf ihren Einbau vorbereitete, dass er mit der Familie aus seiner Heimat nicht irgendwohin nach Österreich, sondern extra nach Unterach am Attersee gezogen sei, weil: Leben schön, hier.

Am See wohnen und arbeiten, das hat was. Für eine Story im trend, die vor drei oder vier Jahren erschienen ist, sprach ich mit See-Arbeitern, wie ja im Sommer auch ich selbst einer bin: Warum sind sie ans Wasser gezogen? Wie befeuert der See ihre Motivation? Und wie ist es denn überhaupt so, an einem See zu wohnen und zu arbeiten?

Spoiler: Es ist gut. Richtig gut.

Damit Sie verstehen, was ich meine, erzähle ich Ihnen am besten einfach ein bissl was von meinem heutigen Tag:

Ich habe erstklassig geschlafen (die nächtliche Seeluft halt …) und als ich aufgewacht bin, sah ich vom Bett aus zu, wie draußen die Morgensonne, die vom Attersee links hinten herüber scheint, die Drachenwand gegenüber goldrot tönte. Ich drückte mir einen Espresso herunter und setzte mich im Schlafgewand auf die Terrasse, um den letzten Fischern unten am See zuzuschauen, die ihre Netzte kontrollierten. Dann ging der Tag los: Frühstück (auf der Terrasse), diesen Blogpost schreiben (auf der Terrasse), drüben im Segelclub die Boote für den nahenden ersten Kinderkurs des Jahres herrichten, mit Freunden essen, trinken, lachen. Unten am See tat sich heute schon richtig was. Die Segelschule hat ihre rotrümpfigen Aloa-Boote aufs Wasser geschickt, vermutlich ein Grundkurs. Vor dem schwarzindischen Ufer (nur damit Sie sich auskennen, weil “Schwarzindien”: klicken Sie hier) zog ein Motorboot einen Wasserskifahrer, drei Elektroboote wurden von ihrer touristischen Besatzung in kurviger Fahrt hinaus auf den offenen See pilotiert.

Arbeiten, wohnen und starren am See also. Kann natürlich gut sein und ich verbringe ganze Tage einfach nur übers Wasser schauend. Es solche Tage tatsächlich und ehrlich, es gibt Schlimmeres. Vor allem die Abende, ebenfalls voll des Starrens aufs Wasser, sind wunderschön. Schauen Sie sich einfach oben das Bild an. +++