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Die Fischerhütte hinten am Toplitzsee

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Es ist ja so, dass die Ausseerländer ein lustiges Völkchen sind. Sie machen sich mit dem Rest der Welt gerne einen Spaß. Zum Beispiel diesen: Das Aufsehen war groß, als die amerikanische Tauchexpedition mit ihrem hochtechnisierten Roboter vor einigen Jahren während der Schatzsuche im Toplitzsee eine große Kiste mit metallenem, münzähnlichen Inhalt entdeckte. Man war sich sicher: Das ist er jetzt, der lange im See versenkt vermutete Schatz der Nazis. Unter großem Aufwand, mit viel Getöse und Trara wurde die Kiste geborgen, medienwirksam geöffnet, und: ein Haufen von Bierflaschen-Kronenkorken kam zum Vorschein. Plus einer Botschaft, die sinngemäß lautete: Hoppla, war wohl nix, oder? Einheimische hatten sich einen Spaß mit den hoffnungsvollen Schatzsuchern erlaubt, die Truhe kurz vor Ankunft des Expeditionsteams im tiefen See versenkt.

Also der Toplitzsee: ein geheimnisvolles, stilles, tiefes und unglaublich schönes, weil vollkommen naturbelassenes Gewässer. Unbefugte dürfen nicht mit dem Auto dorthin, es gibt auch keine richtige Straße, es braucht einen wunderbaren, halbstündigen Spaziergang vom Grundlsee-Ufer hier nach hinten, wo die Landschaft verwunschen und abgeschieden ist als befände man sich mitten in kanadischen Urwäldern. Und genau hier, am Beginn des kleinen Sees, steht die Fischerhütte, ein Blockhaus im lauschigen Wald, ein Geheimtipp, ein Sehnsuchtsort aller Kundigen. Sie bietet den besten Fisch des Salzkammergutes: Saiblinge und Forellen, die auf der Zunge zergehen, frisch aus dem See. Hinter der Fischerhütte endet die Gegenwart, dort gibt es keinen Weg mehr, nur mehr Märchenwälder – ein zivilisationsfreier Raum. Einziges Zugeständnis an die Menschheit sind zwei oder drei Bankerln unmittelbar nach dem Haus, dort, wo die Wildnis beginnt. Man kann mit dem Paddelboot nach hinten zum Toplitzsee-Ende fahren, es gibt auch Ausflugszielen, aber nur für Wenige, kein Massentourismus soll die Ruhe dort hinten stören. Von dort weg existiert dann nur mehr ein Mini-Wegerl hinauf zum noch kleineren, noch verborgeneren Kammersee. Aber da ist dann wirklich Schluß, aber hier kommt nur noch das Wilde des Toten Gebirges.

Noch ein kleiner Tipp: Wer vom Grundlsee durch das Mini-Örtchen Gössl nach hinten zum Toplitzsee spazieren möchte, findet seinen Weg automatisch über die Forststraße. Das ist eine schöne Möglichkeit durch den Wald. Aber es gibt, in Richtung See betrachtet rechts von der Forststraße, noch zwei, drei viel schönere, wirklich verwunschene, beschauliche Wege mitten durch diesen verzauberten Wald. Zum Beispiel den entlang des Toplitzbaches, in dem man sich im Hochsommer auch auf eine Weise abkühlen kann, wie es schöner nicht denkbar ist. Fragen Sie am besten die Einheimischen nach der richtigen Abzweigung. Oder lassen sie sich im Rostigen Anker am Grundlseeufer einweisen. Aber seien Sie freundlich, denn Sie wissen ja, die Ausseerländer erlauben sich mit Fremden gerne das eine oder andere Späßchen …

Zur Einordnung: Das Salzkammergut ist bekanntlich die schönste Gegend Österreichs, das Ausseerland ist die schönste Gegend des Salzkammergutes und der Altausseersee ist die schönste Gegend des Ausseerlandes. Eine Ausnahme gibt es: Der Platz bei der Fischerhütte am Toplitzsee, vom Altausseersee aus gesehen hinter der Trisselwand, vom Grundlsee aus gesehen nach der Gösslwand, der kann problemlos mithalten. Womöglich ist das ja sogar der final schönste Platz Österreichs. Wer weiß. Natürlich im Salzkammergut. +++

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