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Held der Woche: Fußballtrainer Oliver Glasner

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Es kann schnell gehen im Fußball: Da bist du gerade noch oben, und kurz darauf wirst du gefeuert. Klassisches Trainerschicksal eben. Umso erstaunlicher ist es, wenn ein Trainer gelassen auf so eine Hochschaubahn aus Lob und Tadel reagiert. Noch dazu, wenn er sich nichts zuschulden kommen hat lassen und von überschaubar kompetenten Funktionären trotzdem vor die Türe gesetzt wird, weil – ja, warum eigentlich?

Oliver Glasner, dem oberösterreichischen Trainer von Eintracht Frankfurt, ist genau das gerade passiert.

Nimmt man nur die Fakten, ist er vermutlich der erfolgreichste und womöglich auch der beste Trainer, den die Frankfurter jemals hatten. In den vergangenen 22 Monaten führte er seine Mannschaft zum Europa-League-Sieg, in die Champions League und dort ins Achtelfinale, und soeben erst ins deutsche Cupfinale. Insgesamt hat in den vergangenen beiden Jahren international kein deutscher Verein für mehr Aufsehen gesorgt, von der Hollywood-Truppe Bayern München vielleicht abgesehen, die jedoch mit einem Vielfachen an Aufwand, Budget und gekünsteltem Spektakel. Einen europäischen Uefa-Bewerb hat in den vergangenen Jahren außer eben Frankfurt überhaupt kein deutscher Verein gewonnen. In der nationalen Meisterschaft liegt Eintracht Frankfurt derzeit an achter Stelle. Das ist weiter vorn, als es dem traditionellen Durchschnittsteam zukommt.

Vernünftige und realistische Funktionäre würden dem Trainer Kultstatus zusprechen. Nicht so die Frankfurter Funktionärsriege. Sie verhindert größere Erfolge durch permanente Streitigkeiten untereinander auf Kindergartenniveau und jeweils im Frühjahr, also zum ungünstigsten Zeitpunkt. Damit machte sie es der Mannschaft nicht leichter, guten Fußball zu spielen. Das war schon vor exakt zwei Jahren so und führte damals zum freiwilligen Abgang des ebenfalls höchst erfolgreichen Trainers Adi Hütter. Und jetzt wiederholt sich das Spiel: Die Funktionäre verbocken es und der Trainer, der trotzdem eine Spitzenleistung abliefert, muss es ausbaden und gehen.

All das hat Oliver Glasner mit Nonchalance und Gelassenheit ertragen, hat trotzdem exemplarisch gut gearbeitet, hat sich immer vor die Mannschaft gestellt und wird womöglich in seinem allerletzten Spiel als – bereits geschasster – Frankfurt-Trainer den deutschen Cupsieg holen. Nur ein einziges Mal leistete er sich nach einer wirklich bescheuerten Journalisten-Frage einen minimalen Auszucker, der in Wahrheit aber auch nicht mehr als eine klare Ansage war. Das nützte die herz-, schmerz- und talentbefreite Frankfurter Führungsriege gleich als Anlass für die Trennung. Glasner nahm es wie ein echter Gentleman: kein böses Wort, keine verbale Retourkutsche, nichts. Einzige Reaktion: Das erste Spiel nach dieser peinlichen Darbietung der Frankfurt-Funktionäre gewann er mit seiner Mannschaft gegen das ebenfalls erstklassig gecoachte Mainz gleich einmal mit 3:0.

So geht das. Glasner ist nicht nur einer der derzeit interessantesten Trainer Europas (wenn nicht der Welt), er ist ein Sir. Er ist ein Held. Auf jeden Fall ist er such*stuff Hero der Woche. Die Redaktion wünscht ihm als nächstes Engagement nicht mehr ein Durchschnittsteam Marke Frankfurt, das er erst auf Topniveau heben muss, sondern gleich einen echten Spitzenverein, am besten in der Premier League. Verdienen würde er es. +++