Start Siegls Senf Ausländische Fachkräfte anwerben: So wird das nichts

Ausländische Fachkräfte anwerben: So wird das nichts

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Österreich fehlen langsam an allen Ecken und Enden Arbeitskräfte. Etwa 110.000 Stellen sind beim Arbeitsmarktservice als unbesetzt gemeldet, die Dunkelziffer ist etwa doppelt so hoch. Laut Eurostat ist Österreich derzeit gemeinsam mit Belgien das EU-Land mit der höchsten Quote an unbesetzten Stellen.

Da kann man schon auf die Idee kommen, auch entsprechend qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland anwerben zu wollen, wie es Arbeitsminister Kocher und Wirtschaftskammer-Präsident Mahrer angekündigt haben. Mahrer sprach dabei von erwünschten „Zahlen im fünfstelligen Bereich“ pro Jahr. Das Ganze hat aber mindestens zwei gravierende Probleme am Weg.

Erstens: Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten benötigen derzeit eine Rot-Weiß-Rot-Karte, um in Österreich arbeiten zu dürfen. Der Weg zu dieser Karte ist mühsam und umständlich. In Wien dauert es durchschnittlich etwa zwei Monate bis zu einer Entscheidung, es kann aber auch mehr als ein halbes Jahr werden. Eine echte auswanderungswillige Fachkraft ist dann schon längst woanders gelandet. Deshalb wurden im Vorjahr nur etwa 6.000 neue Karten vergeben.

Zuständig für das Verfahren sind gemeinsam Bezirksverwaltungsbehörde und ams. Was macht also die österreichische Politik, um das Ganze zu beschleunigen?  Richtig, sie schaltet eine dritte Instanz ein. Die ABA als Standortagentur soll beraten, wie man mit den beiden zuständigen Behörden umgehen soll. Mitreden im Verfahren kann die ABA nicht, aber versuchen gut zuzureden kann sie wenigstens. Deshalb soll die Kapazität in der ABA für das Gut-Zureden weiter aufgestockt werden. So sehen österreichische Problemlösungen aus.

Problem Zwei ist noch diffiziler: Österreich gilt im Ausland, milde ausgedrückt, als nicht gerade fremdenfreundlich. Das verdanken wir Politikern von Jörg Haider bis Herbert Kickl, aber auch dem fallweise eher herben Charme der autochthonen Bevölkerung. So landete Wien im „Expats City Ranking“ für Menschen, die im Ausland leben und arbeiten, 2022 wieder einmal weltweit am letzten Platz bei Freundlichkeit und Eingewöhnung. Die stört aber viele nicht einmal: Es gibt sogar Stimmen, dass der „Wiener Grant“ in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen werden soll. Man braucht aber kein Marketing-Diplom, um zu wissen: Der Slogan „Komm nach Österreich! Nirgendwo sonst wirst Du so unfreundlich empfangen“ wird kein Renner. +++

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