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Weltklima: Mit der Katastrophe leben lernen

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Der UNO-Weltklimarat hat im jüngsten Bericht deutlich gemacht: Das angestrebte Ziel einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad ist realistischerweise nicht mehr zu halten. Beim Fortschreiben der derzeitigen Entwicklung wird es bereits kurz nach 2030 erreicht werden. Bei einer weltweiten Erwärmung um 2 Grad werden bereits massives Risiko von Nahrungsmittelknappheiten und die Gefahr zu sterben, wenn man in Hitzeperioden das Haus verlässt, prognostiziert. Der derzeitige Pfad ergibt ein Plus von 3,2 Prozent bis zum Jahr 2100.

Die globalen Treibhausgasemissionen sind in den vergangenen Jahren aber sogar weiter angestiegen. Allein die zehn größten Öl- und Gaskonzerne planen neue, zusätzliche Förderprojekte, die zu den bereits bestehenden Förderungen noch 646 Milliarden Tonnen an Treibhausgasen verursachen werden. Zum Vergleich: Laut Pariser Klimaschutzabkommen sollen im gesamten Jahrhundert weltweit nur 500 Milliarden Tonnen emittiert werden. Die dafür notwendigen Milliardeninvestitionen würden diese Konzerne aber nicht in die Hand nahmen, wenn sie nicht sicher wären, das geförderte Öl und Gas auch gewinnbringend verkaufen zu können.

Zudem treibt China derzeit den Bau neue Kohlekraftwerke massiv voran: Die Behörden genehmigten allein im Vorjahr neue Projekte mit 106 Gigawatt Leistung. Das entspricht in etwa 2 neuen großen Kraftwerksblöcken – pro Woche. Im Ausland hat China gerade 14 neue Kohlekraftwerke fertiggestellt und weitere 27 weitere sind gerade in Bau.

Die Politik sollte sich daher auch damit befassen, wie man sich auf die nahenden Katastrophen von Wassermangel über Sturmschäden und Ernteausfällen bis zu Hitzeschäden in der Infrastruktur vorbereitet. Ein paar zusätzliche Bäume in den Innenstädten zur Abkühlung taugen nur für den Fototermin, bilden aber keine Lösung. Neue Wasserleitungen, aus denen nichts heraussickert, Systeme, um bei Wassermangel in einer Gemeinde der nächsten aushelfen zu können, neue Bewässerungsarten für die Landwirtschaft, sturmsichere Dächer, hitzeresistente Straßenbeläge und Zuggleise, Sicherung der Stromversorgung, wenn die Wasserkraft schwächelt – das alles sind Themen, mit denen sich heimische Politik längst befassen sollte. Dringender als mit der Frage, ob das Auto nach 2035 noch mit E-Fuels getankt werden darf.

Apropos österreichische Politik: Als einen zentralen Lösungsansatz sehen die Wissenschaftler des UNO-Weltklimarates die sogenannte Carbon Capture and Storage-Technologie (CCS) – also das Abscheiden von Kohlendioxid aus der Umwelt oder direkt aus industriellen Prozessen, um es dann dauerhaft in vorhandenen Lagerstätten unter der Erde zu speichern. So kann die CO2-Konzentration in der Luft wieder reduziert werden. Die Technologie funktioniert bereits in kleinem Stil und wird von Norwegen bis Japan angewandt. Das sich mit der Selbstzuschreibung „Vorreiterland“ so wohl fühlende Österreich hat diese Technologie vor zehn Jahren verboten. +++

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