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Held der Woche: Der Ameisenbläuling

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Nein, Sie haben vermutlich vom Ameisenbläuling noch nie etwas gehört. Es handelt sich dabei um eine seltene Schmetterlingsart – eine von denen, denen die Umweltverschmutzung und der Mensch so sehr zusetzen, dass sie kaum noch wo zu finden sind. Nur zur Erinnerung: Seit wir Menschen so verantwortungslos herumfuhrwerken, ist die Biomasse der Insekten – eine der wichtigsten Lebensgrundlagen für das Ökosystem der Welt – laut neuesten Studien um rund 75 Prozent zurückgegangen. Der Ameisenbläuling könnte den Prozentsatz schon bald nach oben treiben, wenn er einmal ausgestorben ist, was in nicht allzu ferner Zukunft der Fall sein könnte.

Doch man kann dem kleinen Vieh nicht vorwerfen, dass es sich nicht gegen sein Schicksal stemmen würde. Der Ameisenbläuling nimmt es dabei selbst mit übermächtigen Gegnern auf, nämlich zum Beispiel mit den Tourismusverantwortlichen des Glemmtals im Salzburger Pinzgau. Dort – in Saalbach-Hinterglemm, um genau zu sein – soll 2025 die nächste Alpine Ski-Weltmeisterschaft stattfinden. Und jetzt stocken die letzten Bauarbeiten an der Damen-Abfahrtsstrecke, weil sich dort neben einem Beschneiungsteich eben der Ameisenbläuling und damit eine geschützte Art angesiedelt hat. Na, mehr brauchst du als Schmetterling nicht. Die lokalen Tourismuskaiser laufen Amok und wollen natürlich über das zarte Insekt drüber fahren, drüber bauen und so weiter. Schließlich geht es um ihren Profit. Der FIS, dem internationalen Skiverband als WM-Veranstalter geht es auch um ihren Profit. Dass es dem Ameisenbläuling ums Überleben geht, ist da bestenfalls egal.

Genau das ist der Grund, warum unsere Welt vermutlich nicht mehr zu retten ist: Polizei, Behörden, Regierungen, Lokalpolitiker und vor allem die Kurzsichtigen in der Bevölkerung, die eindeutig in der Mehrheit sind, unterstützen lieber Autofahrer, die die Umwelt versauen, statt junge Engagierte, die dagegen ankämpfen und hier und da ein bissl den Verkehr blockieren, indem sie sich an der Straßen festkleben. Sie unterstützen lieber Wintersportbetreiber, die noch eine und noch ein und noch eine Liftanlage bauen wollen, satt sich endlich um neue künftige Einnahmequellen umzusehen und einen anderen Tourismus vorzubereiten. Machen wir uns nichts vor: Alpines Skifahren ist eine aussterbende Sportart. Wir Menschen haben uns selbst um die Voraussetzungen dafür gebracht. Und in einem oder zwei Jahrzehnten wird es grosso modo auch in Österreich einfach nicht mehr genug Schnee dafür geben. Jetzt noch Beschneiungsteiche zu bauen – und deren Bau zu fördern – ist kurzsichtig. Und es ist dumm. Gescheit und weitsichtig wäre es, das Geld in die Hand zu nehmen, um alles – Menschen, Anlagen, Hotellerie und auch Gäste – auf einen neuen Wintertourismus vorzubereiten, einzustimmen und umzustellen. Den Wintertourismus der Zukunft. Veranstaltungen wie eine Ski-WM sind seit geraumer Zeit ohnehin eine anachronistische Dummheit und langfristig betrachtet reine Geldverschwendung.

Gut, dass sich wenigstens ein paar Viecher gegen diesen Blödsinn stemmen, wenn schon die lokalen Politiker, Touristiker und die Blender ebenso wie die Verblendeten dazu nicht in der Lage sind. Dabei müssten sie eigentlich nur den Fingerzeigen folgen: Der Ameisenbläuling, dieser such*stuff Held der Woche, hat sich dort angesiedelt, weil man als Kompromiss begonnen hat, die Natur wenigstens an den Ufern der in die Bergwelt betonierten Beschneiungsteiche zu schützen: Man darf dort nicht düngen. Also haben sich prompt biologisch wertvolle Magerwiesen entwickelt, eine perfekte Heimat für den Ameisenbläuling.

Halte durch, Kleiner. Lass dir von den Hotelbesitzern, den Seilbahnchefs, den mit ihnen in den allermeisten Fällen verhaberten und In Sachen Interessen verbandelten Touristikern, Bürgermeistern und Gemeindepolitikern nichts gefallen. Bleib stark! +++