Start Business As Usual Mikrounternehmen: Das dicke Ende könnte noch kommen

Mikrounternehmen: Das dicke Ende könnte noch kommen

520
0

Im ersten und auch noch im zweiten Pandemiejahr, als vor allem die Klein- und Kleinstunternehmen in Österreich von Lockdowns, Betretungsverboten und zögerlich tröpfelnden staatlichen Hilfen geplagt wurden, haben die meisten Experten diesen Einmann- und Einfraubetrieben den Untergang vorausgesagt. Jetzt, nach drei Jahren Pandemie und an deren Ende, ist es an der Zeit, eine Art Schlussbilanz zu ziehen.

Die fällt überraschend aus. Natürlich – es gibt sie, die Corona-Opfer unter den sogenannten “Einpersonenunternehmen”, den EPUs. Es ist gar nicht schwer, tatsächlich welche zu finden, die früher oder später einfach aufgegeben haben, sich arbeitslos meldeten oder in einen angestellten Job umsattelten. Die die Pandemie also ihre Existenz als Selbständiger oder als Selbständige gekostet hat. Alles in allem jedoch haben die EPUs sich als erstaunlich resilient erwiesen und die Krise überstanden. Auch wenn es Kritik an den staatlichen Hilfen gab, die zum Teil tatsächlich schlecht und wenig treffsicher aufgesetzt waren, tröpfelnd einlangten oder überhaupt nur mit großer Verspätung kamen: Das viele Geld, das Österreich ausgegeben hat, war nicht wirkungslos. Vor allem der zu Beginn der Pandemie und damals zu Recht viel kritisierte Härtefallfonds – 2,6 Milliarden Euro war er schwer – hat gerade den EPUs sehr geholfen, durch die Krise zu tauchen.

Die prognostizierten Konkurse blieben aus, sie wurden sogar weniger. Erst jetzt, am Pandemie-Ende, steigen sie langsam wieder an – auf das Niveau vor Corona. Massenweise Abmeldungen von der Sozialversicherung der Selbständigen – weil es zum großen EPU-Sterben kam – blieben auch aus. Denn dieses EPU-Sterben hat schlicht und einfach nicht stattgefunden. Wellen ehemaliger EPUs, die sich arbeitslos meldeten und das AMS fluteten, gab es ebenfalls nicht.

Fazit nach drei Jahren Krise: Es war schwer, es gab Heulen und Zähneklappern, es gab und gibt herzzerreissende Geschichten von bedrohten und vereinzelt auch tatsächlich verlorenen Existenzen. Schlimm genug. Doch alles in allem ist der weitaus größte Teil der Mikrounternehmen gerade noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen und schön langsam zieht wieder der unternehmerische Normalzustand ein. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte Nachricht ist: Nach der Krise ist vor der Krise. Denn “Normalzustand”, das bezieht sich nur auf die Corona-Problematik. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das dicke Ende noch kommt. Jetzt könnte es sogar erst richtig ernst werden. Die horrenden Energiekosten und die galoppierende Inflation, mit der die meisten EPU-Honorare kaum Schritt zu halten in der Lage sind, entwickeln sich womöglich zur finalen Todesfalle. Und weil der Staat diesmal hauptsächlich und einigermaßen unempathisch den Großen und ganz Großen mit Teuerungshilfen unter die Arme greift, den Kleinen und Kleinsten jedoch so gut wie gar nicht, stehen diese nun wirklich auf sich allein gestellt da. Und vor allem mit aufgebrauchten Reserven. Das könnte ganz schlimme Folgen haben. Die gerade erst vor dem Ertrinken Geretteten könnten nun tatsächlich untergehen. Die Regierung, allen voran Wirtschafts- und Finanzminister, ist zum Handeln aufgefordert. +++

 

Eine detaillierte Story zur Bilanz der Einpersonenunternehmen können Sie am 24. Februar im Wirtschaftsmagazin “trend” und im Kommunikations-Fachmedium “Horizont” lesen.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein