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Generation Kämpferisch: Gut, dass wir sie haben

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Mutig, zielstrebig und zuversichtlich. So stemmt sich die Jugend gegen die Untergangsstimmung. Trotz Krieg und Krisen lassen sich die Jungen nicht unterkriegen und nehmen ihr Leben in die eigenen Hände. Politik und Religionsgemeinschaften lassen sie links liegen. Sie verlassen sich nicht auf Politik, Medien und Religionsgemeinschaften, von denen sie sich enttäuscht abgewendet haben. Was nun zählt sind der persönliche Wille zur Durchsetzung und die individuelle Stärke. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Wiener Institut für Jugendkulturforschung im deutschen Sprachraum soeben fertiggestellt hat.

Die Jungen also. Fragt man die Alten, finden sie die jungen Leute meist furchtbar. Daran hat sich in den vergangenen hundert Jahren kaum etwas geändert. Und die Berufspragmatiker sind sowieso permanent wütend, wenn ihnen revoluzzerische junge Menschen wegnehmen wollen, was sie für ihr Eigentum halten. Öffentlichen Raum in Städten zum Beispiel, den sie gerne zum Autofahren benützen würden, was aber nicht geht, wenn sich vor ihnen jemand an die Straße geklebt hat. Oder die öffentliche Ruhe und Ordnung, wenn junge Leute am Abend unten auf der Straße vor dem Fenster ausgelassen fröhlich sind. (Dass sich dieselben Älteren vom Straßenlärm zumeist nicht in ihrer Nachtruhe gestört fühlen, sei hier nur angemerkt.)

Natürlich kann man darüber diskutieren, wie sinnvoll es ist, sich an Bildrahmen von Kunstwerken festzukleben, um gegen den verantwortungslosen Umgang mit dem Klima zu protestieren. Oder auf der Straße. Oder ob es etwas bringt, Bäume zu besetzen, um den Bau einer Umfahrungsstraße zu verhindern. Freitags in Massen durch die Städte zu ziehen und Transparente zu schwenken. Aber ehrlich jetzt: Jugendliche, die gegen die Verharmlosung des Klimawandels protestieren sind mir tausendmal lieber als Ältere, die ihn verursachen, weil sie nicht und nicht erkennen wollen, dass sie damit die Zukunft der Generationen nach ihnen, von denen zumindest zwei bereits auf der Welt sind, in Frage stellen. Wie kann man sich über das Verhalten Jugendlicher beschweren, die den Bau einer Straße blockieren, wenn man selbst ignorant genug ist, sie bauen zu wollen, obwohl sie niemand wirklich braucht?

Wir sollten froh sein, dass wir genau die Jugend haben, die wir haben. Eine Jugend, die auf sich selbst schaut und eine gesunde Portion Egoismus an den Tag legt. (Das tun die älteren Vertreter der Wirtschaft auch, und sie tun es weniger verantwortungsbewusst, sie tun es gnadenloser, sie tun es zerstörerischer.) Eine Jugend, die gut darauf acht gibt, nicht nur zu arbeiten, sondern auch Spaß zu haben. Das mag Älteren grundsätzlich verdächtig vorkommen, aber es ist gut für das Individuum, für die Psyche, für das Wohlbefinden. Österreich ist ohnehin ein Land der flächendeckend vorhandenen depressiven, zerstörerischen Alkoholiker, die sich selbst aus welchen Gründen auch immer nachlässig genug behandelt haben, dass sie ohne Tabletten und Alkohol keinen Halt mehr finden. Eine Jugend, die sagt, was sie sich denkt – die nicht bedingungslos nachplappert, was Ältere ihr vorbeten.

Das ist gut so. Ich freue mich über jeden Jugendlichen, jede Jugendliche, der oder die für eine Sache eintritt, die ihm oder ihr wichtig scheint. Der oder die nicht stillhält, wie viele Erwachsene es tun. Der oder die nicht politischen Verführern zuhört oder sie gar wählt, wie es viele der Alten tun. Genau diese Jugend ist nämlich ein Versprechen an die Zukunft – eine vage Hoffnung, dass es mit dem Klima vielleicht doch noch gutgeht, und dass vielleicht doch nicht radikale Rechte wieder die Macht im Land übernehmen. Das ist zu einem Teil auch noch meine Zukunft. Es ist also gut für mich, wenn es eine Jugend gibt, die so ist, wie sie ist. Ich möchte sie nicht anders haben. Und jeder und jede, der oder die sich so rechtschaffen aufregt, weil er oder sie mit dem Auto nicht frei über die Kreuzung fahren kann, weil sich junge Leute im Protest gegen den Klimawandel dort festgeklebt haben, soll sich zum Teufel scheren. Und zwar zu Fuß. Oder mit den Öffis.

Ich bin heilfroh, dass es diese “Generation Kämpferisch”, wie die Studie die Jungen von heute nennt, gibt. Mir ist jeder protestierende Jugendliche, der die Zukunft retten will, lieber als jeder reaktionäre Alte, der im Begriff ist, sie zu zerstören. Und diesen letzten Satz nehmen Sie bitte als gegendert an. +++

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