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Die Strubklamm bei Faistenau in Salzburg

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Mit einem Schlag kipp alles vom Lieblichen ins Schroffe. Soeben erst hat man das kleine Örtchen Faistenau durchfahren, hat die tausend Jahre alte Linde am Hauptplätzchen umkurvt, saftige Wiesen durchschnitten, hat sich am satten Grün des Flachgaus erfreut und ist an bewaldeten Hügeln vorbeigefahren, die hier im Begriff sind, langsam zu ordentlichen Bergen zu werden, und auf einmal: Bämmm!

Die wilden Hänge der Strubklamm – fast glaubt man, hier kommt gleich ein Bär oder Wolf ums Eck.

Die Straße führt leicht bergab, macht ein paar Kurven, gibt links den Blick auf einen kleinen See frei, zu dem ein Wildbach hier wird, der Almbach nämlich, Sandbänke schräg unten, und dann beginnt das Gelände auf der linken Straßenseite plötzlich, schroff abzufallen. Schroffest sogar. Urplötzlich ist man mitten in der Strubklamm. Besser gesagt, man ist am rechten oberen Abhang der Strubklamm. Die Straße wird schmal, schmäler, noch schmäler, wie in einem anderen Film fühlt man sich plötzlich. Links geht es mehrere hundert Meter hinunter, man sieht den Grund des Spaltes in der Landschaft gar nicht mehr, weiß aber: Da unten, ganz weit unten, da fließt der Almbach. Ein enger Canyon, sehr pittoresk, sehr wild, sehr urtümlich. Durch die Klamm führt kein Wanderweg, man kann sie nur auf dem Wasser bewältigen.

Lokale Sehenswürdigkeit, Kleinod: die Strubklamm im Slazburger Flachgau.

Canyoning nennt man das, und es wird tatsächlich auch angeboten, allerdings nur gegen Voranmeldung und nur an schönen Tagen. Die Sache ist nicht ungefährlich, bei Regen kann sie sich rasch zu einem Inferno auswachsen, der Almbach dramatisch anschwellen, die Klamm, dieses unglaubliche Naturschauspiel im Salzburger Flachgau, dann zu einer Todesfalle werden. Doch schön, wildromantisch schön, ist die Gegend allemal. Es gibt zwei, drei kleine Plätzchen neben der Straße, an denen man halten und in die Klamm hinunter schauen kann. Doch Vorsicht, denn es geht wirklich steil bergab. Dann führt die Straße, selbstverständlich einspurig, plötzlich in einen finsteren, unbeleuchteten Tunnel hinein, Gegenverkehr wird zum Problem, einer der beiden Kontrahenten muss dann nämlich zurücksetzen. Und Achtung: Es besteht kein Fahrverbot für Busse oder Lkw, was durchaus skurril ist und vor allem deutschen und niederländischen Touristen automobile Schrecksekunden bescheren kann. Wie beschrieben: alles wild, alles romantisch.

Neben der Klamm, ein Ausläufer sozusagen: das Felsenbad. Kühler Geheimtipp für heiße Sommer.

Am anderen Ende des finsteren Lochs, durch das man sein Auto quälen muss, wird die Gegend wieder weiter, lieblicher. Es folgt das Wiestal mit seinem Stausee, ein El Dorado für Paddler, auch Baden geht. Dann geht es irgendwann hinaus ins Salzach-Tal, auf die Stadt Hallein zu. Da ist die Klamm aber dann schon wieder Geschichte. Eine schöne Geschichte.

Was noch bleibt, ist ein Tipp: Zu Beginn nicht den Hang der Klamm entlang fahren, sondern, noch bevor sie startet, links abbiegen. Ein paar Kilometer bachaufwärts verbreitert sich der Almbach zu einer skurrilien Mini-Klamm, einer Felsformation mit wassergefüllten Löchern und Becken, in denen man wunderbar baden kann. “Felsenbad” nennt sich diese gut hundert Meter lange Stelle. Es braucht ein wenig Mut, hinunter zu den Wasserlöchern zu klettern, doch die Sache lohnt sich. Denn das Felsenbad ist, wie auch die Strubklamm ein paar Kilometer weiter, wild und romantisch. Wildromantisch halt. In den kommenden, heißen Sommern des Klimawandels zweifellos ein echter, kühler Geheimtipp. +++

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