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Franz Hörl – ein Mann wie aus der Piefke-Saga

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Er galt schon bisher als eher verhaltenskreativ: Franz Hörl, Tiroler Tourismusunternehmer, oberster Seilbahnsprecher und ÖVP-Nationalratsabgeordneter, nimmt sich kein Blatt vor den Mund, wenn es gilt, seine eigenen Interessen durchzusetzen. Als Ischgl zum Corona-Hotspot wurde, soll er gegen ein vorzeitiges Beenden der Skisaison lobbyiert haben. Als sich die Südafrika-Mutation des Virus ausbreitete, bezeichnete der gerne in Südafrika golfspielende Hörl eine Reisewarnung des Gesundheitsministeriums als „Rülpser aus Wien“. Ein kritisches Gutachten einer BOKU-Professorin zu einem geplanten Skigebiet stufte er als „Anmaßung einer Landschaftsgärtnerin“ ein.

Diese Woche ritt er wieder aus – subtil wie eine Pistenraupe: Statt immer auf die Seilbahnen „hinzuhauen“, solle man lieber ein Werbeverbot für Flugreisen oder Kreuzfahrten verhängen oder gleich eine Sondersteuer darauf erheben, forderte Hörl. Man könne auch zusätzlich ein „Kennzeichnungssystem“ wegen Umweltschädlichkeit einführen – ähnlich wie auf Zigarettenpackungen.

Interessanterweise ist der Tiroler auch Tourismussprecher der ÖVP. Dass „gerade der Tiroler Skitourismus, den Herr Hörl ungeschickt gegen alternative Urlaubskonzepte zu verteidigen versucht, ganz wesentlich am Luftverkehr und den Incoming-Charterflügen nach Innsbruck hängt, vergisst er“, richtete ihm der Dachverband Luftfahrt umgehend aus.

Dafür warf der mächtige Multifunktionär den Medien vor, sie berichteten oft „faktenbefreit“. Deshalb lieferte er in seiner gewohnt sachlichen Analyse auch gleich ein einzelnes Faktum mit: Die Seilbahnen würden „gerade einmal 0,33 Prozent des Gesamtenergiebedarfs der Republik“ verbrauchen. Klingt eigentlich gar nicht so wenig. Bleiben wir also bei den Fakten: Der Flugverkehr Österreichs verbrauchte im Jahr 2021 insgesamt 18 Petajoule. Das sind etwa 1,6 Prozent des kompletten Energieverbrauchs. Oder knapp fünfmal so viel wie die Seilbahnen alleine. Da zeigt die Gewehrmündung des langjährigen Jägers schon stark in Richtung eigenes Knie.

Es gibt aber noch ein anderes Sachargument: Für das Anlegen von Skipisten werden kilometerweise Wälder gerodet und ganze Bergreliefs weggesprengt. Hörl selbst befürwortete die Sprengung eines gesamten Berggrats, um die Skigebiete Pitztal und Ötztal zu verbinden. Die so entstehenden „Traumpisten“ sind ökologisch fast tote, von den Pistenraupen hochverdichtete Bodenflächen, die kaum mehr Wasser aufnehmen können. Das wäre auch eine Möglichkeit für ein „Kennzeichnungssystem“, Herr Hörl: überall Schilder mit „Warnung – diese Skipiste kann die nächste Flutkatastrophe begünstigen“.

1,5 Millionen Euro an öffentlichen Covid-Hilfen nahm Hörl dennoch, obwohl sein Unternehmen im ersten Corona-Jahr den Gewinn steigern konnte. Er gehört damit zu den Top-1-Prozent unter den Corona-Beihilfenbeziehern. Falls noch einmal eine Staffel der „Piefke-Saga“ gedreht werden sollte, die Figur des Franz Hörl würde sich hervorragend einfügen. +++

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René Siegl war Wirtschaftsjournalist und leitete zuletzt knapp 25 Jahre lang die österreichische Betriebsansiedlungsagentur "ABA" (Austrian Business Agency). Heute lebt er als freier Autor und Wirtschaftsberater in Wien.