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Beim Rostigen Anker am Grundlsee

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Der rostige Anker des Rostigen Ankers und dessen Wirt: In einer stillen Ecke ganz hinten in Gössl am Grundlsee steht ein Wirtshaus, das ist unter Ein heimischen und Touristen sowas wie Kult.

Ganz hinten, an der letzten Ecke des Grundlsees, am Rand des Örtchens Gössl, das eigentlich gar kein Örtchen sondern nur eine lose Häusergruppe ist, dort, wo das Salzkammergut ins Tote Gebirge hinauf ansteigt, da liegt dieser Gasthof: der Rostige Anker. Ein überdimensionaler – rostiger – Anker, halb eingelassen in die Wiese vor dem Haus, gibt der Wirtschaft ihren Namen. Der Platz direkt am Wasser genießt im Ausseerland große Beliebtheit, weil dort der Zugang zu See frei ist, weil man direkt neben dem Badevergnügen essen und trinken kann, weil es hier wunderbar zu sitzen ist, und: Weil die ganze Landschaft rundherum so unglaublich pittoresk daher kommt.

Schwan Herbert oder Hubert oder Harald oder wie auch immer ist im Sommer Stammgast und frisst sich durch die Wiese ums Gasthaus.

Eine Liegewiese vor dem Anker (dem Gasthaus), ein Bächlein, das vom Toplitzsee kommt und gleich nebenan in den Grundlsee plätschert, samt wild schwimmender Forellen, viel Wald rundherum und hohe Berge auf allen Seiten – so geht Sommerfrische. Stichwort frisch: Das sind der Grundlsee und der Toplitzbach allemal, eigentlich sogar kalt. Doch in den heißen Sommern der inzwischen vom  Klimawandel schon ein wenig beeinträchtigten Steiermark sind die Abkühlungen des Ausseerlandes nicht schlecht – selbst wenn es sich dabei um sommerliches Schnee-Schmelzwasser aus dem Toten Gebirge handelt.

Es gibt viel zum Schauen hier, rund um den Rostigen Anker. Wer ein wenig Glück hat, kann auf der anderen Seite des Wirtshauses, dort wo es zum nahen Mini-Campingplatz geht (ein Kleinod auch dieser) den einheimischen Schwan Herbert oder Hubert oder Harald, so genau kennen seinen Namen nicht einmal die Einwohner von Gössl, dabei beobachten, wie er sich durch die Wiesen ums Haus frisst. Animalisches Lokalkolorit.

Sprechen wir jetzt noch vom Toplitzsee, der einen 30-Minuten-Waldspaziergang entfernt hinten drin liegt, wo die Unzugänglichkeiten des Toten Gebirges beginnen. Er ist tief, idyllisch, naturbelassen – und er birgt so manches Rätsel. Die Gerüchte um einen versunkenen Nazi-Schatz wollen nicht verstummen. Der Kinofilm “The Monument Men” mit George Clooney wurde zum Teil hier an Originalschauplätzen gedreht. Doch verschiedenste Expeditionen mit High-Tech-Tauchbooten konnten bisher nichts zutage fördern – außer einer Holzkiste mit Bier-Kronenkorken. Ausseer Einheimische, die ab und zu ein recht schelmisches Völkchen sind, hatten sie vor Jahren vorsorglich versenkt als sie hörten, dass eine neue Expedition bevorstehen würde. Ein kleines Späßchen, sozusagen.

Die Fischerhütte am Toplitzsee ist ein Kleinod. Nirgendwo auf der Welt gibt es bessere Forellen oder Saiblinge.

Einen Schatz gibt es jedoch am Toplitzsee sehr wohl, gleich an dessen Beginn: die Fischerhütte. Nirgendwo auf der Welt gibt es frischere Forellen und Saiblinge, der Wirt holt sie kurz vor dem Zubereiten aus dem See. Die Holzhütte ist urig und es braucht in der Regel eine Vorbestellung, um einen der wenigen Tische zu ergattern. Hinter dem Haus, im Wald, enden dann alle Wege. Noch weiter nach hinten, zum Kammersee hinüber und hinauf, kommen nur mehr halbwegs trittsichere und gut ausgerüstete Wanderer – oder Touristen, die eine der Rundfahrten mit einer Plätte buchen, dem klassischen Boot der Ausseerländer. Doch Achtung, der tiefe Toplitzsee ist nicht ohne Gefahren: Ganz unten, fast schon am Grund, ist das Wasser aauerstoffarm – eine Todeszone. Aber oben an der Oberfläche beim Fischerhaus, und oben an der Oberfläche des Grundlsees beim Rostigen Anker, da ist das Ausseerland wunderbar. Schöner geht es fast nicht mehr.

Der Grundlsee hinten bei Gössl, eine echte steirische Idylle wie aus dem Bilderbuch.

Im Winter ist der Rostige Anker, ebenso wie der Grundlsee und noch viel mehr der Toplitzsee, eine stille Welt fernab des Wintertourismus. Viel Schnee liegt hier in der Regel, nach wie vor, dem Klimawandel mit seinen warmen Wintern zum Trotz. Kaum Fremde. Drüben, am nahen Loser, kann man zwar Skifahren, doch die Touristen wohnen dann in Bad Aussee, allenfalls noch in Altaussee. Hier herüben, in Gössl, herrscht Ruhe. Im Sommer ist mehr los, weil nicht nur die Einheimischen zum Rostigen Anker fahren, um zu baden und zu essen. Der Campingplatz ist voll, auch die Dauercamper aus Graz und Linz, deren Wohnwagen das ganze Jahr über die Stellung halten, füllen ihn. Hochzeitsgesellschaften lieben die Samstage und Sonntage beim Anker, auch Bustouristen kommen und machen Halt für eine Jause und einen schnellen Sprung in den See. Doch alles hält sich in einigermaßen verträglichen Grenzen, sodass der schöne Ort bleiben kann, was er ist: kein Geheimtipp zwar, aber eben doch ein noch nicht allzu bekanntes Ausflugsziel in der nordwestlichsten  Steiermark, ein wunderschönes Fleckchen Ausseerland.  +++

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Klaus Puchleitner arbeitete lange Jahre als Wirtschafts- und Innenpolitikjournalist für die Magazine FORMAT, trend und Industrie. Heute lebt er als freier Autor in Graz und Mondsee und schreibt für Medien wie trend, freizeit-Kurier, profil, bestseller oder Horizont über Wirtschaft, Reise, Politik und alle möglichen weiteren Themen. Puchleitner ist auch als Ghostwriter und Sachbuchautor tätig.