Start Siegls Senf Am (Jahres)Ende bleibt nur der Kärntner Humor

Am (Jahres)Ende bleibt nur der Kärntner Humor

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Eigentlich sollte diese Kolumne von der Energieverschwendung durch Unternehmen handeln. Von Billa-Plus-Filialen, die selbst über die Weihnachtsfeiertage innen mit allen verfügbaren Lampen und Bildschirmen 24 Stunden lang beleuchtet wurden. Von geparkten Lieferwägen, bei denen während der Paketzustellung der Motor einfach weiterläuft. Und von den Unternehmen, die gleichzeitig von der Bundesregierung großzügige Zuschüsse zum Ausgleich ihrer gestiegenen Energiekosten bekommen.

Aber in diesem tristen Jahr soll nicht nur kritisiert werden. Es sollten auch die Verdienste gewürdigt werden, wenn uns Regierungen einmal ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Kaum jemand erwies sich dabei als so einfallsreich wie die Kärntner Landesregierung mit ihrer Chefhumoristin und Landesrätin Sara Schaar. Sie stellte Mitte Dezember einen neuen Genderleitfaden vor, der landesweit für gute Laune sorgte. Das lange Zeit heilige Binnen-I wurde darin gestrichen, weil es die diversen anderen Geschlechter ab dem dritten benachteiligt. Besonders gelungen waren die verschiedenen Anleitungen, um künftig in der Amtssprache veraltete Substantive zu ersetzen.

Darin wurde beispielsweise ein Inhaber zu einer „etwas besitzenden Person“, ein Gast zu einer „Besuchsperson“ und ein Anfänger zu einer „Person ohne Vorkenntnisse“. Der Held oder die Heldin mutierten zu einer „Schlüsselperson“ und aus dem Täter beziehungsweise der Täterin wurde eine „Unrechtsperson“. Von geradezu poetischer Schönheit ist die „Zauberkraft innehabende Person“, zu der man bisher Hexe sagte.

Der Vater und die Mutter wurden zum „Elternteil“ uniformiert. Ob allerdings zwecks der Zuordnung in gebärende und nicht gebärende Elternteile unterschieden werden soll oder ob damit diverse Personen ausgegrenzt würden, wurde von Landesratsperson Schaar leider nicht geklärt. Man kann ja vielleicht in der nächsten Bezirkshauptmannschaft – Verzeihung: Bezirkshauptpersonenschaft – bei Gelegenheit nachfragen.

Die Landwirtschaftskammer erwies sich allerdings als spaßverderbende Personengemeinschaft und protestierte, Bauern seien keine „landwirtschaftlich Beschäftigten“. Sie seien selbständige Unternehmer und keine Knechte. Beziehungsweise „geknechtete Personen“. Oder vielleicht auch „zu knechtende Personen“?

Manche wollten bereits in Heilkunde ausgebildete Personen, also Ärzte oder Ärztinnen, in die Landesregierung senden oder sehnten sich zumindest nach einem sofortigen Besuch in einem Besuchspersonenhaus – früher Gasthaus genannt – um die obdachgebende Person um ein Krügerl oder zwei zu bitten. Selbst die Villacher Faschingsgilde wollte angesichts der Klagenfurter Überlegenheit bereits die geplanten Auftritte absagen und die dem Land ratgebende Person Sara Schaar einfach aus dem Genderleitfaden lesen lassen.

Doch dann erwies sich Landeshauptperson Peter Monarchisch-Regierende-Person leider als völlig humorbefreit und sagte das bereits in der Landesregierung mit den Stimmen der SPÖ (und damit auch seiner eigenen) beschlossene Realsatire-Projekt ab. Die Hoffnungen ruhen nun auf der Wiener Stadtregierung, uns bald mit einem neuen Genderleitfaden zum Lachen zu bringen.

In diesem Sinn Prosit Neujahr – ich wünsche ein frohes und friedvolles 2023.  +++

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René Siegl war Wirtschaftsjournalist und leitete zuletzt knapp 25 Jahre lang die österreichische Betriebsansiedlungsagentur "ABA" (Austrian Business Agency). Heute lebt er als freier Autor und Wirtschaftsberater in Wien.