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Energiewende: Am Weg zum Blackout

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Nun also auch noch die Schulen. Das Bildungsministerium verschickte kürzlich einen 31-seitigen Ratgeber mit Vorkehrungen und Verhaltenstipps, wie man im Fall eines Blackouts in unseren Bildungseinrichtungen reagieren soll. Die Direktoren werden darin verpflichtet, Notfallpläne für ihre Schule auszuarbeiten. Kurbelradios zählen ebenso zu den empfohlenen Anschaffungen wie Sackerl für das Gackerl, wenn die Wasserspülung ausfällt.

In fünf Bundesländern wurde das Katastrophenszenario Mitte November ernsthaft durchgeprobt. Erwin Hameseder, Präsident des Kompetenzzentrums Sicheres Österreich und als oberster Raiffeisen-Manager des Landes nicht gerade ein Untergangsprophet, bezeichnete dabei den Blackout als „Ereignis mit signifikanter Eintrittswahrscheinlichkeit“. In Deutschland, dem Vorzeigeland der Energiewende, spricht man schon offen über gezielte Stromabschaltungen im kommenden Winter, um einen Blackout zu verhindern.

Willkommen in der neuen Welt der Erneuerbaren Energien! Was Marc Elsberg 2012 in seinem Thriller „Blackout“ noch als Science Fiction schrieb, soll nun in den Schulen ernsthaft durchgeprobt werden. Dabei haben wir mit der Dekarbonisierung unserer Energieerzeugung erst angefangen. Und beim Verbrauch werden die Mengen an benötigtem Strom dank E-Fahrzeugen und Wärmepumpen massiv in die Höhe schnellen.

Aber mit der Physik ist das so eine Sache. Sie gilt auch, wenn sie im Widerspruch zu Regierungsaussagen in Pressekonferenzen steht, und diesbezüglich besteht auch wenig Verhandlungsspielraum. Laut Physik müssen sich Erzeugung und Verbrauch von Elektrizität jederzeit im Gleichgewicht befinden. Zumindest, wenn man keinen Blackout will. Gas- und auch Atomkraftwerke haben den Vorteil, dass man sie auf Knopfdruck rauf und runter fahren kann. Bei Sonnenstrom oder Windkraft schafft das nicht einmal Leonore Gewessler. Vielleicht sollte man Margarete Schramböck zurückholen – die war zwar als Ministerin eher eine Zumutung, aber sie ist ausgebildete Energetikerin.

Bei sogenannter „Dunkelflaute“, also kein Sonnenschein und gleichzeitig Windstille, beharrt die Physik in all ihrer Sturheit darauf, dass kaum Strom erzeugt werden kann. Dummerweise tritt diese Dunkelflaute vorzugsweise im Winter auf, wenn mehr Elektrizität verbraucht wird. Dann kommt im Wasserkraftland Österreich oft die Hälfte des benötigten Stroms aus heimischen Gaskraftwerken sowie deutschen und tschechischen Kohle- und Atommeilern. Was wird aber sein, wenn dort auch auf Sonne und Wind umgestellt wurde?

Solange keine brauchbaren, im großen Maßstab einsetzbaren Speichertechnologien zur Verfügung stehen, wird die Energiewende geradewegs in Brownouts, also kürzeren Stromversorgungsunterbrechungen, und Blackouts führen. Die dann auftretenden Probleme werden jedoch sehr viel größer sei als jene in den Schulen, wenn die WC-Spülung ausfällt. +++

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René Siegl war Wirtschaftsjournalist und leitete zuletzt knapp 25 Jahre lang die österreichische Betriebsansiedlungsagentur "ABA" (Austrian Business Agency). Heute lebt er als freier Autor und Wirtschaftsberater in Wien.