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Künftiger FSG-Chef Muchitsch im Porträt: Volle Breitseite

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Gewerkschafts-Urgestein aus der Steiermark: Josef "Beppo" Muchitsch von der Bauarbeitergewerkschaft wird am Donnerstag zum sozialistischen Gewerkschaftsboss gemacht.

Im Porträt der such*stuff Redaktion: Josef Muchitsch, Gewerkschafts-Urgestein aus der Steiermark, wird Donnerstag zum neuen Chef der wichtigsten Fraktion im Gewerkschaftsbund ÖGB, der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschaften (FSG), nominiert. Damit ist Muchitsch nicht mehr und nicht weniger als so etwas wie der neue starke Mann im ÖGB. 

Josef Muchitsch, schon lange mächtiger Vorsitzender der Bauarbeitergewerkschaft und ab Donnerstag auch neuer Chef der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschaften, der bei öffentlichen Auftritten verbal schon einmal hinlangt, kann auch den Faserschmeichler: Am Treffpunkt Autobahnraststätte für dieses Porträt etwa – Muchitsch wird meist von einem vollen Terminkalender durchs Land getrieben – scherzt er mit dem Servierpersonal, beantwortet geduldig Fragen, ist freundlich. Schwer vorstellbar, dass dieser joviale Mann ein gefürchteter Gesprächspartner sein kann.

Doch Lohnverhandler kennen ihn anders, bei Kollektivvertragsrunden gibt Muchitsch gerne volle Breitseite. Passt etwas nicht ins schwer sozialdemokratisch modellierte Weltbild des gelernten Maurers, artikuliert er das, laut und deutlich.

Zum Beispiel bei der von der Regierung vor einigen Jahren ohne echte Ergebnisse abgehakten Entrümpelung der Gewerbeordnung. Weil Muchitsch deren Modernisierung ein Dorn im Auge ist – sie würde bei Lehrlingen Arbeitsplätze kosten, fürchtet er -, trat der Gewerkschafter damals als Testimonial in einem Inserat der Wirtschaftskammer auf, was ihn seinerzeit in den Fokus spöttischer Social-Media-Kommentare rückte. Ein ÖGB-Mann vor dem Karren der WKO, das hat in der oft simplifizierten Betrachtungsweise des Internet ein gewisses Skandalpotenzial.

Intern trug es ihm Kritik ein. Gedrückt wirke “Beppo” neuerdings, erzählt man sich damals im Katamaran, der ÖGB-Zentrale am Wiener Handelskai. Weniger die Bosse, sondern vor allem das Bodenpersonal tief in der Gewerkschaftsorganisation sei erstaunt gewesen. Seinem Standing in der Gewerkschaft geschadet hat diese Episode allerdings nicht. Er blieb ein Fels der Arbeitnehmervertretung in der Brandung der bösen unternehmerischen Ausbeuter, zumindest aus Gewerkschaftssicht.

Kritik der Basis ist Muchitsch ohnehin nicht neu. 2015 etwa geriet er wegen seiner Wiener Zweitwohnung in die Schlagzeilen. Vor allem die schnoddrige Rechtfertigung ließ die Wogen hochgehen. Inzwischen nützt der Gewerkschafter mit Hauptwohnsitz im südsteirischen Leibnitz bei seinen Wien-Aufenthalten eine regulär angemietete Garçonnière und zahlt, so schwört er stets, “den Marktpreis”.

Dass Muchitsch klein beigibt, kommt selten vor. Ein wenig mag er in der öffentlichen Wahrnehmung als rote Version des früheren schwarzen Beamtengewerkschafters Fritz Neugebauer durchgehen – knallhart, verschraubt in Dogmen und nur der eigenen Klientel verpflichtet. Wie seinerzeit Neugebauer wird auch Muchitsch im Bedarfsfall stets beine gewisse Beton-Mentalität nachgesagt, gar nicht unoriginell für einen, der die Bauarbeiter vertritt.

 Highlife mit Beppo 

Privat ist Muchitsch dafür vielschichtig, manchmal auch kontroversiell. Auf der einen Seite waren da die nonchalant in Anspruch genommenen Privilegien bei der Wiener Wohnung. Auf der anderen ist da aber auch ein großes Herz für Menschen, denen er sich verpflichtet fühlt. In seinem politischen Heimatbezirk etwa betätigt er sich durchaus erfolgreich als Jobvermittler, drei bis fünf Arbeitslosen im Jahr kann er durch seine Beziehungen eine Stelle verschaffen, rechnet er nicht ohne Stolz vor.

Man sieht es Muchitsch heute nicht mehr an, aber früher hat er Fußball gespielt, war sogar Trainer einer Damenmannschaft. Sein Mandat im Vorstand des SK Sturm legte er schon vor neun Jahren zurück. Sein Haus in Leibnitz hat er selbst gebaut, “mit ein wenig Hilfe von Freunden”. Er, der Gewerkschafter, der etatmäßig wohl gegen Schwarzarbeit wettern müsste, sieht das gar nicht so eng. Im Gespräch lässt durchblicken, dass ein wenig “Nachbarschaftshilfe im Rahmen” schon toleriert werden könne. Weil “die kleinen Leute da draußen” sich den Hausbau ohne fachkundige Freunde meist nicht mehr leisten könnten.

Kontroversiell ist auch der Musikgeschmack: Muchitsch hört Klassik. “Immer zur Beruhigung, wenn der Blutdruck oben ist”, sagt er. Greift Muchitsch selbst zum Instrument – Tuba, Gitarre oder Keyboard -, ist die präferierte Richtung eine andere. Der Name seiner Gruppe gibt Hinweis darauf, was dann gespielt wird: “Beppos Danceband”, heißt die Combo. Wo das Trio in der Vergangenheit, dort herrschte Highlife.

Dafür können sich Muchitschs Gesprächspartner bei Bauarbeiter-KV-Verhandlungen immer anschnallen. Harte Forderungen sind quasi Pflicht. +++


 ZUR PERSON: Josef Muchitsch 

Josef Muchitsch, 55, Angestellter des ÖGB, sitzt seit rund 16 Jahren für die SPÖ im Nationalrat. Als Multifunktionär (unter anderem ist er Gemeinderat in seinem Wohnort Leibnitz) gibt er nach eigener Angabe “bis zu 40.000 Euro” im Jahr für diverse Ballspenden, Pokale und Ähnliches aus. Muchitsch ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder im Alter von 19, 25 und 33 Jahren.


 

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Klaus Puchleitner arbeitete lange Jahre als Wirtschafts- und Innenpolitikjournalist für die Magazine FORMAT, trend und Industrie. Heute lebt er als freier Autor in Graz und Mondsee und schreibt für Medien wie trend, freizeit-Kurier, profil, bestseller oder Horizont über Wirtschaft, Reise, Politik und alle möglichen weiteren Themen. Puchleitner ist auch als Ghostwriter und Sachbuchautor tätig.